In der Nacht vom 10. auf den 11.04.2008 zwischen Mitternacht und ein Uhr schlug hier der 400.000 Besucher auf um einen Blick auf das zu werfen, was Rainer gesacht hat. Schon vor Monaten hatte ich – wenn auch etwas kryptisch – einen Hinweis darauf gegeben, dass hier nach 400.000 Schluss ist. Das werden die meisten überlesen haben. Zumal der Schwellwert ja auch einigermaßen willkürlich gewählt war. Tatsächlich habe ich aber ausgerechnet, wann ungefähr der Endpunkt erreicht sein würde. Und dieser Tag steht in keinem jubilaren Zusammenhang mit dem Start von Rainersacht – und das ist auch gut so. Denn schon Frank Zappa sachte: “Anything, anyplace, anytime, for no reason at all.”
Natürlich gibt es Gründe dafür, Rainersacht zu schließen. Mir scheint es schon lange so, als habe sich der hiesige Stil totgelaufen. Außerdem habe ich mich durch einige Leser, die von mir Polemik forderten, unter Druck gesetzt gefühlt. So stand ich vor der Entscheidung, dieses Blog zu einem Befindlichkeitsblog umzubauen und strikt subjektiv zu berichten über das, was mit persönlich so auffällt und zustößt. Aber schließlich bin ich von Beruf Journalist und seit fast 25 Jahren auf der Suche nach meiner Zeitung. Aus dieser Einsicht entstand nun die Rainer’sche Post, die sich tatsächlich als Zeizung versteht, meinetwegen auch als Magazin. Das Online-Blatt wird Rubriken haben, feste Erscheinungstermine und sich der gängigen journalistischen Formen bedienen. Und trotzdem wird es subjektiv bleiben, oft polemisch und manchmal undifferenziert.
Wer hier gern mitgelesen und kommentiert hat, möge bitte gern den Umzug mitmachen. Ich würde mich sehr freuen.
Schwämmen wir mal dieses Spiel. Weil es ein sehr schlechtes Spiel war. Weil die Leistung der Männlein in den Fortuna-Trikots abartig war. Aber selbst über eine solche Partie kann ein begnadeter Lyriker noch Spochtrepochterschwampf vom Feinsten absondern:
“Kaum eine Minute später versuchte sich auch Kenan Sahin, doch sein Schuss beförderte die Kugel nur knapp neben das Gehäuse. [..]
…konnte auch der ehemalige Spieler von TuS Koblenz den Ball nicht in den Maschen des gegnerischen Tores versenken…. [...] was auch bedingt war durch den mitunter äußerst kleinlich pfeifenden Referee André Stachowiak.”
(Quelle: F95-Website)
Wie überhaupt die Spielberichte der Fortuna-Site eigentlich nur als realsatirische Parodien auf die Fußballberichterstattung früherer Jahre verstanden werden kann. Wo hat man das noch, dass man sich über derart bildreiche Prosa kaputtlachen kann. Sonst gab’s nix zu lachen. Denn nach dem Abpfiff stürmte eine Horde stadtbekannter Möchtegern-Hools den Platz, bespuckten die eigenen Spieler und hauten dem Pali eine aufs Ohr. Dass die Typen, die sich während der zweiten Halbzeit schweigend und ohne einen Blick aufs Spiel an einem der Tore zusammengerottet hatten, aufs Spielfeld gelangen, lag vor allem an der bekannten Hilflosigkeit der Fortuna-Ordner, von denen viele ja mit den Durchgeknallten alkoholverwandt sind. Der Rest war dann das übliche Einschreiten von Spielern und Offiziellen mit anschließender polizeilicher Durchprügelei Unbeteiligter.
Zum Glück konnte dieser Vorfall dieses Mal nicht den bösen, bösen, bösen Ultras in die Schuhe geschoben werden, denn die residierten dieses Mal im Oberrang und sangen sich trotz der Scheißleistung unserer Jungs die Kehle aus dem Hals.
[ von Rainersacht um 13:19
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Die waren schon immer da. Jedenfalls so lange ich Rockmusik denken kann. Angefangen haben sie püschedelisch, dann waren sie ein bisschen poppig, schließlich bluesig, und letztlich landeten sie beim Rocknroll. Und zwar für immer. Denn die Herren der Band sind unsterblich – allem kollektiven Drogen- und Alkoholkonsum zum Trotz. Und dann ist da noch die Legende von der speziellen Gitarre des einen Herrn…
1) Wie heißt die Band?
2) Wie hieß ihr allererster Hit?
3) Welches war ihr einziger No-1-Hit in Dland?
4) Was ist mit der Gitarre?
Do the answer, now. Ruhm und Ehre, keine Juristen.
Update: Wow, endlich gewinnt mal jemand anderes. Der Newcomer Rolo hat’s gewusst (und gegooglt, was ja nix Schlümmes ist). Es geht um Status Quo, deren erstem Hit “Pictures of Matchstick Men”, dem größten Hit “In the Army Now” und … um Francis Rossis grüne Telecaster – in die hat er nämlich anno 68 ein Loch unterhalb der Abnehmer gebohrt, weil er sich davon einen spezifischen Sound versprach – die Klampfe spielt er noch heute.
Irgenwie outet man sich ja als Idiot, wenn man zugibt, Status-Quo-Musik zu mögen. Okay, manchmal bin ich so ein Idiot, wobei die Iditotie eine Geschichte hat. Zu Zeiten von “Matchstick Men” und “Ice in the Sun” mochte ich die Band. Dann fand ich sie blöd. Ende der Siebziger war ich kurzzeitig als Aushilfslehrer am Gymnasium in Dormagen-Horrem (intern “Horror” genannt…) tätig. Mit meinen Schülern der 10. Klasse freundete ich mich sehr, und so kam es, dass die mal bei uns im WG-Garten eine Party machten. Und, was lief: Das Doppel-Live-Album der Quos! Anderthalb Stunden gleichmäßigen Boogie-Rock in übler Soundqualität. Und als die zweite Scheibe zu Ende war, ging’s vorne wieder an. Danach hatte ich a) Musikschmerzen und b) eine Status-Quo-Allergie. Komischerweise haben sie mit ihrem merkwürdigen Auftritt bei Live Aid 1985 mein Herz gewonnen. Eigentlich hatten sich drei Gründungsmitglieder plus ein Newcomer nur für diesen Gig zusammengefunden, aber aus irgendeinem schwer erklärbaren Grund begann der zweite oder dritte Frühling der Truppe an diesem Tag. Und jetzt sind viele ihre Stücke Klassiker, auf die man herrlich den Koppp schütteln kann. Mehr muss Rock’n'Roll nicht können, finde ich…
Eigentlich ist das Videocast des Spochrepochters Bellstedt vom Stern ja manchmal ganz niedlich. Jetzt hat sich der Typ aber über die “Ausschreitungen” während des Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Nürnberg ausgelassen. Natürlich ist er – wie das Gros seiner Kollegen – völlig ahnungsfrei, was die Realitäten der diversen Fan-Bewegungen im toitschen Fußball angeht. Dass er zum letzten Mal vor vielen, vielen Jahren freiwillig in einer Kurve gestanden hat, ist mehr als deutlich. Die Kollegen, die ihre Bengalos aufs Spielfeld geworfen haben, nennt er Vollspackos, Vollidioten und völlig verblödet. Und meint damit, sich per Sprache an den gemeinen Fan anbiedern zu können. Dann spricht er von “Fan-Ultras, die man eigentlich Hooligans nennen müsste.” Spätestens damit ist Bellstedt raus. Wer als Journalist die Unterschiede zwischen Fans, Ultras und Hooligans immer noch nicht auf die Reihe kriegt, der sollte sich einfach an Dieter Nuhr halten.
Vielleicht hülfe aber auch ein Gespräch mit dem Stern’schen Fußball-Blogger Arne Jens, der zum selben Thema folgenden Satz bloggt: “Nur, ohne die Aktionen der Nürnberger Randalierer verteidigen zu wollen: Das eine oder andere bengalische Feuer in der Fankurve hat immer noch mehr mit Fußball zu tun als jede Business-Loge.” Da hat er wahr, der Mann.
So ein Schweinewilli ist ja eine fleischige Allzweckwaffe für Fresser, die Schwein fressen mögen. Der wurde gestern in Medaillons gerastert. Dazu gab’s Bandnudeln und Spinat. Das Problem beim Filet von der Sau ist, dass es wenig schmeckt. Deshalb muss Sosse her. Zumal im Falle, dass es Nudeln DABEI (so sacht man hier…) jibt. Da sich ein halbes Gläschen grünem Pfeffers (sorry, mein Grammatikberater ist aushäusig…) im Klühschrank herumdrückte, fiel die Wahl auf eine Sosse unter Beteiligung der kleinen, runden Madagaskariaken. Nun ist eine Sosse mit grünem Pfeffer aber sowas von spießig, weil jede Eckkneipe als Hauptpreisgericht das gefürchtete Pfeffersteak offeriert, bei dem schwer durchgebratenes Rindstück mit jenen Körnern beschmissen wird. Es geht auch anders.
Du brätst die Medaillons (oder das Steak) heftig, aber kurz an, sodass es eine Kruste gibt – und zwar aus Fettgründen in einem nussgroßen Butterstück plus einem Schuss Olivenöl. Dann tust du das Fleisch bei 80 Grad in den Ofen, wo’s gart, während du die Sauce bastelst. Zunächst wandelst du eine mittlere Zwiebel in kleinste Würfel um. Dann spülst du den grünen Pfefferkörnern die Essiglake vom Leib. Lass die Zwiebelstücke in der Pfanne mit dem Bratrest glasig braten und wirf die Pfefferdinger dazu bis es nett riecht. Dann drehst du die Hitze auf volle Pulle und schüttest einen fetten Schuss trockenen Sherrys hinein. Es darf auch ein gutes Sherryglas voll sein. Während es brodelt kratzt du mit einem Holzlöffel das Angesetzte vom Fleischbraten ab. Irgendwann ist die Flüssigkeit so gut wie weg. Nun kommt ein halber Becher Sahne hinein. Übrigens: Entgegen anderslautender Dünkel eignet sich für diesen Zweck auch diese fettreduzierte Falschsahne, die man den Dicken empfiehlt. Jetzt musst du die Hitze weit runterdrehen und das Ganze mit einem Schneebesen (Ich benutze zum Sossenrühren so einen halbgroßen; es gehen aber auch diese Dinger, die aussehen wie ein Löffel aus Draht.) vermischen. Die Sosse darf nun bei ganz kleiner Flamme noch ein bisschen köcheln und wird abschließend mit Salz abgeschmeckt. Falls du findest, dass wäre zuwenig Sauce für zuviel Nudeln, darfst du das Gebräu mit heißem Wasser und weiterer Sahne verlängern.
Oh je, der Walser! Manchmal ist es furchtbar anstrengend, einen Roman des alten Sturkopfs vom Bodensee zu lesen. Zum Beispiel diesen. Die Story ist so kompliziert wie altersgeil (…ein Begriff, der im Text ironisch thematisiert wird). Ein Privatgelehrter verliebt sich in eine Doktorandin, die in den USA lebt. Die ist jünger als die Tochter des Mannes, der Altersunterschied liegt bei über 40 Jahren. Die junge Frau ist nach einer Begegnung hin und weg. Per Briefwechsel und Telefonmarathons geilen sich die beiden heftig aneinander auf, und als der Gelehrte dann zu einem Kongress in Kalifornien anreist, wird gevögelt, dass die Schwarte kracht. Wie jeder alte Sack lässt Walser den Protagonisten stellvertretend über die magische Potenz des Alters verfügen. Ansonsten wird in der Phase, da die beiden fernmündlich (…ein weiterer Begriff, der ständig benutzt wird) und brieflich kommunizieren, fortwährend salbadert. Also: Der Autor lässt salbadern. Das ist öde. Später kommt ein bisschen Fahrt auf, da wird auch die Gattin des Gelehrten zur profilierten Figur, und am Ende finden der Sack und seine Ernährerin wieder zusammen.
Ursache für das erste Treffen von Sack und Studentin ist der Philosoph Julien Offray de La Mettrie, über den der Privatgelehrte ein paar Aufsätze produziert hat, während die junge Frau zum Thema “Rezeption La Mettries in Deutschland” promoviert. Ohne zumindest Sekundärliteratur über den französischen Materialisten konsumiert zu haben, kann man das eigentliche Thema dieses Romans schlichtweg nicht verstehen. Wenn so aber viele Leser dazu animiert werden, sich mit La Mettrie zu befassen, dann hat Walsers Roman immerhin Reklame für einen wichtigen, unterschätzten und oft missverstandenen Philosophen gemacht. Und das wäre dann auch schon was.
[ von Rainersacht um 06:18
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Im Grunde gibt es nur zwei Erklärungsmöglichkeiten für die Vorgänge, die am Samstag zu einer Unterbrechung des Bundesligaspiels zwischen der Eintracht aus Krankfurt und dem 1.FC Nürnberg geführt haben. Entweder es handelte sich bei den Bengalowerfern um Leute, die den Widerstand gegen den Kommerzfußball in die Erstligaarenen tragen wollen. Oder die kartellhaft verbandelten Kommerzorganisationen DFB und DFL arbeiten inzwischen mit bezahlten Provokateuren. An letzteres mag man nicht einmal glauben, wenn man von den Taten und Sprüchen der Fußballmafia fortdauernd angewidert ist. Tatsächlich aber spielen die Typen, die Was-auch-immer durch das Werfen von Feuerwerkskörpern und Seenotrettungsfackeln ausdrücken wollen, den Kräften in die Karten, die im Sinne der Renditemaximierung aus dem Fußball ein leicht konsumierbares Family-Entertainment machen wollen. Dass dies das kaum verschleierte Ansinnen des Ligaverbands DFL ist, lässt sich durch die Lektüre zahlreicher Verlautbarungen belegen. Dass derlei Treiben vom DFB, von der UEFA und besonders von der verkommenen FIFA gedeckt und gefördert wird, ist ebenfalls nachweisbar.
Wenn also irgendwelche Kapuzen tragenden Testosteronbömbchen durch bewusste Verstöße gegen die Standionordnungen Widerstand gegen den Kommerzfußball zeigen wollen, dann liegen sie leider vollkommen falsch. Wobei die Grenze zwischen der ungewollten Unterstützung der DFL-Politik und ebendiesem Widerstand dünn, aber beschreibbar ist. Bengalos und Rauchtöpfe im Block zu zünden, wird zwar von den verblödeten Medienvertretern gern mit Vokabeln wie “Ausschreitungen”, “Krawalle” oder “Randale” etikettiert, sind aber ein Teil der Fußballkultur wie sie sich weltweit in den letzten zwanzig Jahren ausgebildet hat. Feuerwerkskörper aufs Spielfeld zu werfen oder in gegenerische Blöcke zu schießen, ist einfach nur kriminell, weil dabei Verletzungen von Spielern und Zuschauern in Kauf genommen werden.