gesachtes vom 12.01.2005

25 Jahre Grüne

Gründungsparteitag
Spiegel Online bringt heute einen Beitrag von Claus Christian Malzahn zum 25-jährigen Geburtstag der Grünen, der mich zum Kotzen reizte. Ganz Spiegel-Ei kommentiert Malzahn von oben herab und sicher im dreiteiligen Anzug mit eng geschnürter Krawatte das ‘Erwachsenwerden’ der Grünen. Absatz für Absatz frei von jeder unmittelbaren Kenntnis und offensichtlich auf schnell zu beschaffendes Archivmaterial angewiesen entblödet sich der Schnelljournalist nicht, Gemeinplätze der zynisch-arroganten Journaille aneinander zu reihen. Das haben wir ja über die Jahre alles schon Tausend Mal gehört. Das haben im vergangenen Vierteljahrhundert die TV-Kommikatoren und Talkshow-Hocker aus sich heraus gebläht. Dass das grüne Utopia (eine sehr beliebte Leerfloskel…) abgeschafft sei, weil es ja nur aus Hirngespinsten entwurzelter Bürgersöhnchen und -töchterchen (zumindest wird die Frauenquote auch von solchen Arschlöchern eingehalten, weil sie Angst haben, dass sie sonst keine Frau mehr dran lässt…) bestanden hat, alles nur Luxusprobleme.

CCM beschreibt die Grünen als selbstbewusst bis altklug. Typisch für seinen Jahrgang. Den Jahrgang der Leute, die meistens zu spät kamen. Immerhin hat diese Pfeife es noch bis zur taz gebracht – seine persönliches Erwachsenwerden führte ihn dann zum Spiegel. Verräter nannten wir linken Journlisten diese Typen, die mit knapp 30 meinten, es geschafft zu haben, weil Spiegelsternfazsüddeutschezeit sich am taz-Talent-Pool bedienten.
Mitgekriegt hat er nichts, so viel ist sicher. Zum Zeitpunkt des Gründungsparteitags am 13. Januar 1980 in Karlsruhe war er ja gerade mal 17. Und wenn er dabei war, dann möglicherweise bei der Nürnberger Kinderindianerkommune, die uns damals mit ihren Kabinettstückchen in den alternativen Wahnsinn trieb.

Ich war dabei. Ich gestehe, ich habe aus meinem persönlichen Utopia heraus die Grünen auf allen Ebenen (Düsseldorf, NRW, Bund) mit gegründet. Ja, ich war ein Fundi. Nein, ich war zwar Mandantsträger, bin aber im CCM’schen Sinne nicht erwachsen geworden. Ja, ich wähle immer noch grün, obwohl ich seit 1988 nicht mehr Mitglied der Grünen bin – ich wurde damals mit der Begründung ausgeschlossen, ich habe meine Beiträge nicht bezahlt. Ich hatte keine Lust mit irgendeinem Ex-K-Grüppler oder einem Realo (in der Regel gab’s die in Personalunion) darüber zu streiten und vermute bis heute, dass der Rausschmiss die Reaktion darauf war, dass ich mehrfach und öffentlich behauptet habe, es gäbe keine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Sozen. Wenn überhaupt, dann wäre die CDU langfristig die einzige politische Kraft, die zum Selbstverständnis der Grünen passt. 1988 war das eine ziemlich provokante Meinung…

Über CCM:
Jahrgang 1963, geboren in Göttingen, volontierte 1984 nach dem Abitur bei einer norddeutschen Presseagentur und war 1985 an der Gründung des Lokalteils der Bremer “Taz” beteiligt. 1987 wechselte er als Reporter zur taz in Berlin. Seit 1993 ist er für den SPIEGEL unterwegs: Zunächst als Korrespondent in Erfurt, Berlin und Bonn, seit 1999 als Reporter im Auslandsressort, unter anderem mit längeren Aufenthalten im Kosovo, Afghanistan und dem Irak. Seit dem 1. Mai 2004 leitet Malzahn das Politik-Ressort bei SPIEGEL ONLINE und das Berliner Büro.


[ von Rainersacht um 14:29 in diesunddas ] [ 01794 x gelesen ] [ es wurde 1x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 1x was dazu gesacht

  1. [...] Verehrer von George W. Bush geworden zu sein scheint, in der Vergangenheit beispielsweise durch Grünen-Bashing anlässlich des 25-jährigen Bestehens der grünen Partei und eine transatlantische Schmutzkampagne gegen Jürgen Trittin im letzten [...]

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.