
Es läuft zur Zeit die Ganz Neue Deutsche Welle, der Hype schlechthin. Die Bands nennen sich – teils deutsch-pathetisch, teils deutsch-verquast – Wir sind Helden, Silbermond, Juli, Kristalllüster… was weiß ich. Und doch, nein, natürlich ist alles dasselbe. Ein Mädchen, das mehr oder weniger einem Schönheitsideal entspricht, unterscheidbar hauptsächlich an der Haarfarbe, drei bis vier Jungs mit Zottelfrisur, das ist das Line-up. Kommt einem schonmal bekannt vor, das gab’s schonmal. Hört man sich den Gesang der Mädels genauer an, dann wird das Muster noch deutlicher: Die singen alle wie Nena! Silben werden abgeschliffen und vor allem wird zwischen den Zeilen deutlich hörbar geatmet. Wenn Nena sich überhaupt irgendwie im deutschen Schlager profiliert hat, dann dadurch: Das Atmen als Stilmittel. Nena war und ist immer ein bisschen atemlos, Grenzpädophile haben das seinerzeit für mädchenhafte Lüsternheit gehalten. In Wirklichkeit ist es bloß mangelhafte Stimmtechnik.
Halten wir fest: Nena ist die Urmutter aller GNDW-Sängerinnen. Sie hält sich übrigens für extrem erfolgreich, weil die berühmten 99 Ballons einst in den US-Charts waren. Ihr alter Kumpane, dieses blondierte Halbwesen mit der verkotzten Sprache, der sich für einen Profi hält und es sich deshalb anmaßt, in Casting-Shows den lieben(?) Gott zu spielen, beharrt ebenfalls darauf, dass nur Nena jemals internationales Format hatte. Na dann gute Nacht.
Der Deutsch-Hype der letzten anderthalb, zwei Jahre hat weitereichende Wirkung. Der Sumpf steigt an und bringt die Moorleichen an die Oberfläche. Selbst MMW, der Marius, der unsäglich arrogante Hering, ist vom Rücktritt zurückgetreten. Er ist eins, er ist eins, er ist ganz eins mit sich. Wie schön. Den Schuss hat er nicht gehört, dass Texte mit dem Sozenpsychoquark der Neunziger keine Sau mehr hören will. Er wird uns derzeit in Vorbereitung seiner allerallerletzten finalen und globalen Abschiedstour heftig rotierend in die wehrlosen Ohren gepustet. Auch die zu kurz geratene Wanderwarzenmuräne hat nachgezogen und meint laut und leise seine allerletzten Ergüsse öffentlich absondern zu müssen. Jetzt fehlt nur noch Heinz Rudolf Kunze, der sich ja eigentlich bloß durch eigene Kirchentagssongs selbstbefriedigt in seinem Deutschlehrergrab herumdrehen müsste, denn seine Forderung nach der Deutschquote im Deutschradio ist durch die GNDW per Hintertür erfüllt. Und, Klaus Lage, auch mitspielen wollen??? Hab ich irgendwen vergessen? Nein? Na, dann issja gut.

