“In Düsseldorf ist alles in Ordnung! Ein schöner Satz, der auf einem Plakat stehen sollte, und über den sich auch OB Joachim Erwin freuen würde. Wären da nicht die geschwärzten Worte, die klarmachen, das dieser Satz heftig zensiert wurde. Ein Plakat mit dieser Anspielung auf die Posse um die verhinderte Lesung des Krimi-Autors Horst Eckert, mit der Überschrift ‘Dreck-weg-Tag bei OB Joachim Erwin’, wollte Manfred Spies in der Stadt aufhängen. Er darf nicht. Vermieter von Werbeflächen sagten ab, als sie den Inhalt erfuhren. Weil sie ‘nicht mit Diskussionen mit Politikern in Zusammenhang gebracht werden möchten’, so die Plakatfirma Ströer in einer E-Mail vom 5. April.
Die zweite Firma sagte ab, weil OB Erwin zurzeit über zu viel Außenwerbung in der Stadt rede und man ‘nicht Öl ins Feuer gießen will.’ Es ist, deutet der Künstler und Satiriker Spies auf die NRZ-Überschrift von Freitag, ‘wirklich ein Klima der Angst in dieser Stadt entstanden.’
(Quelle: NRZ online vom 08.04.2006)
Man muss den Manfred Spies nicht mögen, wirklich nicht. Schon seit Jahren gibt er den verfolgten Satirekünstler, seine Paranoia ist selbst wohlmeinenden Düsseldorfer einige Male auf den Zwirn gegangen. Lange hat man nichts mehr von ihm gehört, jetzt wollte er eine eigentlich ziemlich harmlose Plakataktion starten – aber er darf seine Poster nicht kleben. Die Plakatflächenvermieter – allen voran die Düsseldorfer Außenwerbeinstanz Ströer hat Muffensausen. Unser Oberdespot im Rathaus muss nur mal eine Minidiskussion darüber anzetteln, dass es zuviel Außenwerbung in der Stadt gibt, schon stehen die Plakatekleber stramm.
Mehr noch als der Zensurskandal rund um eine Kurzgeschichte des Krimiautors Horst Eckert zeigt diese unscheinbare Geschichte, dass in Düsseldorf ein Klima der Angst herrscht und auf welche Weise der verwandte und verschwägerte OB dieses erzeugt.
Er bedroht methodisch Leute, indem er ihnen zeigt, dass er ihre berufliche oder geschäftliche Grundlage zerstören kann. Über Kritiker werden Dossiers angelegt (dies bezeugen Mitarbeiter des Presseamtes der Stadt, die natürlich ungenannt bleiben wollen…), die im richtigen Moment herangezogen werden. Früher hat Erwin das noch selbst getan: Dem Neusser Sänger und Produzent Sascha Dücker hielt er, als dieser sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Fortuna Düsseldorf antreten wollte, vor, er sei doch künstlerischer Vorsitzender eines Vereins gewesen, gegen den Vorwürfe des Finanzamts vorlägen. Inzwischen haben seine Schergen – OB-Bürokeiterin Christina Begale und der kmmissarische Leiter (Wenn Sie nicht spuren, werden sie nie vollwertiger Leiter!) des Amtes für Kommunikation (vulgo: Presseamt) Kai Schumacher – diese Aufgabe übernommen, sodass der OB selbst immer sagen kann, er habe von nichts gewusst. So wurde Schumacher befohlen, das Vorleben der SPD-Rivalin Gudrun Hock auszuspionieren. Übrigens: Schumacher ist wie Begale eine Hinterlassenschaft der erfolglosen Olympia-Bewerbung, die Erwin als Vertreter der Region Rhein-Ruhr für 2012 abgegeben hatte. Beide hatten vor ihrer kurzen, wenn auch angeblich gut bezahlten Zeit (Dezember 2001 bis April 2003) keine nennenswerten beruflichen Erfahrungen vorzuweisen – ihre Qualifikation: Unbedingter Gehorsam gegenüber dem Demokratieallergiker Joachim Erwin. Ähnliches gilt auch für den jetzigen Geschäftsführer der Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH, Alexander Leibkind. Gemeinsam ist ihnen nicht nur ihre Anhänglichkeit am Herrchen, sondern auch völlige Inkompetenz im Job. Bei Begale ist das schwer nachzuweisen, denn was genau ihr Aufgabenbereich ist, weiß keiner. Leibkind hat mit der Begründung für das Stadtmaskottchen den Nachweis seiner völligen Ahnungslosigkeit in Sachen Marketing erbracht, und “Stadtsprecher” Schumacher unterlief der folgenschwere Fehler, in einem Rundfunkinterview zu bestätigen, dass er der Ausgangspunkt des Zensurskandals war, dafür zu sorgen, dass das Interview nicht gesendet wurde, und hinterher alles abzustreiten. Das Rollen sich dem PR-Profi die Fußnägel auf.
Erwins Arm reicht weit, und seine exponierte Stellung als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stadtsparkasse Düsseldorf erlaubt es ihm, auch auf die finanzielle Geschicker einzelner Personen Einfluss zu nehmen. So munkelt es, dass der eine oder andere Düsseldorfer Lokaljournalist sehr günstig an die eine oder andere Immobilie gekommen sei, während es in mindestens zwei Fällen zu unerklärlichen Beschränkungen von Kreditlinien mittelständischer Unternehmen gekommen sei, nachdem deren Geschäftsführer sich erwin-kritisch engagiert hätten. Selbst Abhängigkeiten innerhalb der Justiz soll es geben. In diesem Zusammenhang wird gern auf die plötzliche Einstellung der Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen Erwin und seine Frau im September 2004 hingewiesen.
Auch wenn die Zustände in Düsseldorf in Sachen Korruption und Diktatur für die Opfer nicht halb so gefährlich ist wie die Situation im Weißrussland eines Alexandr Lukaschenko: Der Düsseldorfer Oberbürgermeister hat in der Stadt Harry Heines ein Klima der Angst geschaffen, das die Meinungsfreiheit durch vorauseilende Selbstzensur vieler Kritiker einschränkt. Rechte und Interessen der Bürger – die Erwin im Wesentlichen als Stimmvieh betrachtet, das ihn im Amte zu bestätigen hat – werden mit Füßen getreten, Demokratie von Erwin als Sache für den Kindergarten bezeichnet. Nein, Joachim Erwin hat keine Freunde mehr, nicht mal mehr in seiner Partei. Er hat Feinde, er hat Gegner, er ist von Kritikern umgeben. Sobald der erste Stein ins Rollen kommt, werden sich diese zusammen gegen ihn stellen, soviel ist klar. Dann bleiben ihm nur noch die Mastdarmakrobaten Begale, Schumacher, Leibkind. Und die werden dann mit ihm zusammen aus der Stadt gejagt.

