
Da hat ein Ex-Regierungssprecher, den niemand kennt, sich aus dem politisch-korrekten Fensterchen gelehnt und Freunde, die demnächst bei uns zu Gast sein werden, aufgefordert, bestimmte Gegenden Brandenburgs zu meiden, wenn sie a) einen anderfarbigen ethnischen Hintergrund haben und b) an der Unversehrtheit ihrer Körper interessiert sind. Die Reaktionen (sehr schön von SpOn eingeholt!) sind teils vorhersehbar, teils klug. Klug sind sie da, wo man uneingeschränkte Zustimmung erwartet hätte. Brandenburger Mandatsträger finden es durchweg scheiße, dass sowas gesagt wird, weil’s dem Land schadet. Auch ne Logik im Stil von Der-Überbringer-der-schlechten-Machricht. War im Land, wo Schönbohms Minister werden, sein und bleiben können, nicht anders zu erwarten. Zustimmen würde ich den Meinungen, die zart anfragen, ob das nicht schon Kapitulation vor den Rassisten ist, wenn man warnt. Aber auch Ede Geyers (Ex-Trainer von Energie Cottbus) Aussage, dass es ja nun nicht so ist, als sei Rassismus ein reines Ossi-Phänomen, halte ich für mehr als korrekt. Gut, der gemeine, kopfhautvorzeigende Dumpfrechtsossi, der ist schon spektakulär und eine gute Zielscheibe. Dagegen kann der westdeutsche Faschismusmanager moderner Prägung nicht anstinken. Dafür können die alten Bundesländer beim kleinen Rassismus für zwischendurch bestens mithalten. Beispiele gefällig?
“Wer in diesem Jahr trotz des schlechten Wetters den Nokia-Debitel Cup auf der Platzanlage des BV04 besucht hat, war mit Sicherheit überrascht das die türkische Nationalmannschaft, obwohl nicht auf dem Turnierplan aufgeführt, vertreten war.
Leider musste man feststellen, das diese wohl ihre Trikots vergessen hat und somit im Namen und in der Spielkleidung unserer Fortuna auflief. Um es einmal klarzustellen, meine Aussagen haben in keinster Weise etwas mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, ich fand es nur beschämend, peinlich und in gewisser Weise lächerlich, das bei einem deutschen Fussballverein wie es Fortuna Düsseldorf numnal ist, gerade mal 2 deutsche Spieler im Aufgebot stehen und die restlichen 9 aus dem Land des Döners kommen. ”
(Quelle: Difo von Fortuna Düsseldorf vom 19.04.2006)
Darüber entsponn sich eine Debatte, ab wann man denn Deutscher im Sinne des deutschen Fußballs ist. Wer nicht Müller, Meier, Schmitz heißt, ist Ausländer, und je mehr davon in einer deutschen Mannschaft spielen, desto scheiße. Da helfen auch die Kloses, Podolskis, Neuvilles und Asamoahs nix.
Ebenfalls aus der Welt des Fußballs folgende Aussage eines Geschäftsreisenden im ICE ins Ruhrgebiet, der sich mit seinem Kollegen über das kommende Spiel des BVB unterhielt: “Und, watt meinze, wieviel Schwarzarbeiter werden dieses Mal auflaufen?” Wobei er beim Wort “Schwarzarbeiter” hinterhältig grinste. Der andere verstand und zählte die Namen der Spieler dunkler Hautfarbe auf, die auflaufen würden.
Gesprächsrunde mit gemischten Journalisten mittleren Alters. Man sprach über die Kinder, und einer, dessen Tochter kurz vor der Umschulung auf eine weiterführende Schule stand, meinte: “Wir haben uns ja auch die Gesamtschule angeschaut. Mal ehrlich, da ist mein Kind ja als Deutsche in der Minderheit.” Der Kollege wird übrigens allgemein dem sozialdemokratischen Spektrum zugeordnet.
Unter Nachbarn: “Nö, in dem Büdchen kauf ich nicht mehr. Der Besitzer ist doch Albaner.”
Ja, kauf nicht beim Albaner. Und: Was will der Neger in der Nationalmannschaft? Das ist zunächst mal nicht gewalttätig, aber es bereitet den Boden dafür, dass niemand eingreift, wenn Schläger einen dunkelhäutigen Menschen ins Koma stiefeln. Wann immer rechte Gewalt einen nicht-blonden, nicht-blauäugigen oder wenigstens Uwe, Michael oder Thomas heißenden Menschen trifft, wird gern auch debattiert, ob das Opfer nicht selbst schuld sei. Wenn dann noch als Argument angeführt wird, der habe doch als Kongolese nicht unbedingt Urlaub in der sächsischen Schweiz machen müssen, dann sind wir da, wo uns Heye hinführen wollte: Wer als erkennbarer Fremdling Brandenburg betritt, ist ungefähr so leichtsinnig, wie eine Bayerin, die in den Irak reist. Definitiv die falsche Strategie im Kampf gegen den Rassismus.


[...] Worte findet auch Rainersacht: «Wann immer rechte Gewalt einen nicht-blonden, nicht-blauäugigen oder wenigstens Uwe, Michael [...]
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