
Samstag morgens (Was heißt bei einem Langschläfer-Galgo schon morgens? Vor zwölf Uhr geht gar nichts!) gibt’s den Samstagmorgenspaziergang mit Pina. Der ist immer gleich, denn ein Galgo hat’s gern immer gleich. Am Fürstenplatz vorbei über die Oberbilker Allee bis zum Neubaugebiet. Dahinter liegt die Düssel. Genauer gesagt: Die südliche Düssel, den dieses Flüßchen, das der schönsten Stadt am Rhein den Namen gegeben hat, teilt sich noch vor der Stadtgrenze auf in die nördliche und die südliche Düssel sowie den Brückerbach und den Kittelbach. Wir leben im Delta, der Mississippi ist nix dagegen.
Unsere Düssel ist das idyllische Stück zwischen der Erasmusstraße und dem Hennekamp. Hier fließt der Bach neben einem Spazierweg unter dichten alten Bäumen. die Böschung zur Straße eignet sich hervorragend zum Kacken. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir gehen den Weg auf der einen Seite entlang, überqueren die Düssel da, wo sie in den Tunnel zum Volksgarten strömt, und gehen auf der anderen Seite wieder zurück. Das ist eine beliebte Gassi für Hundehalter. Man trifft daher häufig die üblichen Verdächtigen und wird nolens-volens mit den Verdauungsproblemen der vierbeinigen Lieblinge vertraut gemacht.
Heute gab’s eine Begegnung der dritten Art. Die Inhaber unseres Lieblingsgetränkemarkts haben einen Beagle, den sie Lucky getauft haben. Da am Samstag Hochbetrieb in der Hall herrscht, muss einer der Jungs, die normalerweise das Leergut annehmen, mit Lucky gassigehn. Den heute Diensthabenden traf ich. Oder: Eigentlich nicht. Ich sah ihn hinter mir auf den Weg einbiegen und hörte ihn reden. Er überholte uns, und ich stellte fest, dass er per Freisprechgedüdel telefonierte. Unfreiwillig bekam ich das Gespräch mit. Es ging darum, dass er eine Schlägerei organisierte. Er würde den anderen Bescheid geben, man träfe sich an der Schule. Und: “Ey, Alda, isch hab grad kein Messer. Kannst du mir Messer mitbring und Schlagstock?”
Dann machte er kehrt. Ich hatte das klare Gefühl, die Vorbereitung einer Straftat belauscht zu haben und überlegte kurz, die Polizei anzurufen. Aber dann dachte ich: Sowas machen nur blöde, alte Spießer. Jungs müssen sich kloppen.


“Jungs müssen sich kloppen” – bekannt seit “Rumble Fish”. Messer galten aber damals noch als unfair. Fahrradketten – das war in meiner Jugend das höchste der Gefühle.
[ gesachtes von Chat Atkins am 30.07.2006 um 11:14 ]