
“Gegen Kader wie Gielnik und Müller [NPD-Kader] helfen keine Sozialarbeiter, sie sind selbst welche. Ihre Organisationen laden zu Fußballturnieren, Angelausflügen und Sonnenwendfeiern ein.”
(Quelle: ZEIT.de vom 07.09.2006)
Fakt ist, dass die als Partei verkleideten Neofaschisten der NPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf 7,3% der abgegebenen Stimmen gekommen sind. Im Wahlkreis 35 (Uecker-Randow) entschieden sich 15% der Wähler für den reorganisierten parlamentarischen Arm der Neonazis. Die Analyse der Wählerbewegung sagt, dass der größte Teil derjenigen, die dieses Mal NPD gewählt haben, bei der letzten Landtagswahl für die Spezialdemokraten gestimmt haben. Der Ministerpräsident des Landes, Ringstorff (SPD), spricht konsequent von der “braunen Brut”, wenn er die NPD meint. Und damit ist ein Teil des Problems bereits benannt: Diese Form der Auseinandersetzung, die den Sozen im Osten zueigen ist, ist nichts weiter als das Zeichen der völligen Hilfslosigkeit, ja, der bedingungslosen Kapitulation der SPD vor den Nazis. Damit verharrt die Partei, die der andere Problembär und Sozen-Vorturner Beck, in die Mitte rücken will, in ihrer eigenen Tradition. Denn aktiver Widerstand gegen den Faschismus war eine Sache der Sozialdemokraten nie. Indem die Partei, die einst mit Willy Brandt mehr Demokratie wagen wollte und auf der Seite der Benachteiligten war, sich für das neue Bürgertum der Generation Golf interessant machen will, treibt sie die von ihr unter dem Kanzler des Grauens (ein gewisser Schröder) verelendeten Massen den Nazis in die Arme. Und verharmlost die wahren Dimensionen des Problems, das besonders in von ihr regierten Gebieten immer größer wird.
Im hilf- und richtungslosen Ignorieren des globalisierten Turbokapitalismus verraten die Sozen wieder einmal die Armen und Schwachen. Sie fahren Sparkurse zu Lasten der Unterschicht. Wo den Menschen, die von den Hartz-IV-Bezügen, die ein SPD-Kanzler, der jetzt Millionen pro Jahr als Helferhelfer der russischen Gasmaifia einstreicht, für ausreichend befunden hat, das Minimum an Unterstützung entzogen wird, dann können sich die Parteigänger des Nachfolgevereins der NSDAP als Rächer der Enterbten profilieren.
Die Strategie der NPD – auch wenn sie noch nicht durchgängig funktioniert – entspricht ganz und gar der Strategie der NSDAP in den Zeiten der Wirtschaftskrise während der Weimarer Republik. Auch damals haben die Faschisten Netzwerke aufgezogen, von deren Aktivitäten die Zurückgestuften, die Chancenlosen und die Deprimierten am meisten profitiert haben. Während die Sozen vor lauter Machtgier die Kooperation mit den Kommunisten nicht nur verweigerten, sondern diese – wo sie die Machtmittel besaßen – aktiv und auch mit polizeilichen Mitteln bekämpften, richteten sich die Anhänger der Nazi-Partei im entstehenden Vakuum gemütlich ein.
Exakt das geschieht zur Zeit in den neuen Bundesländern. Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Die CDU hat dem ideologisch noch weniger entgegenzusetzen als die SPD. Erst wenn die antiklerikalen Strömungen innerhalb der NPD (die sich besonders in den inzwischen assimilierten Blood-&-Honour- und White-Power-Kreisen finden…) laut würden, würden die so genannten “Christ”demokraten über eine Gegenbewegung nachdenken. Dann könnte es zu spät sein.
Je mehr “national befreite” Gebiete, die gleichzeitig No-Go-Areas für Ausländer sind, denen man ihre nichtdeutsche Herkunft ansieht, ausdehnen, desto weniger werden die so genannten “Volksparteien” (wobei hier auch die Grünen und die FDP gemeint sind…) dem etwas entgegensetzen können. Die einzige Möglichkeite, den Faschisten wieder den Boden zu entziehen, ist der schnelle und konsequente Ausbau der Sozialsysteme. Solange die Nazis den Menschen Sinn geben können, werden sie an Macht und Einfluss gewinnen.
Bezeichnet man sie aber als Spuk, impliziert man damit, dass es irgendwann wieder vorbei sein könnte mit der Neo-Nazi-Bewegung – und zwar, ohne dass jemand etwas tun muss.


Nanana – die SPD “verharmlose die wahren Dimensionen des Problems, das besonders in von ihr regierten Gebieten immer größer wird”?
Wird denn Sachsen mit gut 9 % Nazis nicht schwarz regiert?
Die NPD gewinnt vor allem bei den “weniger Gebildeten”, so wäre die Aussage richtig. Nach Lage der Dinge, solange die Akademiker nicht in die Produktion gehen, sind das nun mal die “Arbeiter” und “Arbeitslosen”, um die auch die SPD wie die Linkspartei balzt. Erstaunlich – und vor allem viel gefährlicher – wäre es aber wohl, wenn die Nazis mit ihrer Trottel-Ideologie auf einmal bei den Gebildeten gewönnen.
Enttäuschung über die SPD ist übrigens noch lange kein Grund, Nazis zu wählen.
[ gesachtes von Chat Atkins am 18.09.2006 um 10:14 ]
Wo, bitte, balzt die SPD um Arbeiter und Arbeitslose? Und dass es in SPD-regierten Gegenden das Problem mit den “national befreiten” Gebieten in höherem Maße gibt als da, wo die CDU regiert, lässt sich nachprüfen. Es geht eben nicht nur um Prozentpunkte bei Wahlen für die NPD, sondern darum, in welchem Maße die Faschisten sich in gesellschaftlichen Zusammenhängen einnisten. Dagegen tun die Sozen genauso wenig wie die Schristdemokraten. Das Neo-Nazi-Problem ist doch nicht erst dann eins, wenn die in die Landtage einziehen…
[ gesachtes von Rainersacht am 18.09.2006 um 10:31 ]
Bei abnehmendem Arbeiteranteil in der Gesellschaft muss die SPD versuchen, sowohl die “neue Mitte” wie die abnehmende Arbeiterschaft zu umturteln, wenn sie überleben will. Hier in Bremen versucht sie, das den Leuten auch so zu erklären. Man muss einfach sehen, dass diese Kleingärtnergebiete und Arbeiterbezirke immer noch Hochburgen der Sozen sind, und dass die dort auch hineingehen und mit den Leuten diskutieren. Selbständigen- und Beamtengebiete sind eher grün (Ostertor), die bürgerlichen Zonen mit dem alten Geld schwarz, resp. gelb (Horn oder Schwachhausen). Allerdings werden in den roten Arbeitergebieten auch besonders viel Bräunlinge gewählt(die kommen bei uns von der DVU. In Bremerhaven – massenhaft arbeitslose Werftarbeiter, Hafenarbeiter, Fischarbeiter – kriegen die Braunen regelmäßig einen gewissen Herrn Tittmann durch, vom Typus her so’n Tresenkrakeeler).
[ gesachtes von Chat Atkins am 18.09.2006 um 13:43 ]
Reuters meldet ganz frisch Neues vom Bundestags-Teddy und SPD-Präsidiumsmitglied:
Dieser Thierse geht mir schon lange auf den Sack. Erst wiegelt er ab, als es um die Transpazenz bei den Nebeneinkünften der MdBs ging und nun bestreitet er jegliche Verantwortung der etablierten Parteien am Rechtsruck.
Thierse ist übrigens auch einer, der nicht weiß, mit wie wenig ALG-II-Empfänger zum Leben haben. Da nutzt es uns auch nix, wenn Thierse am Prenzlauer Berg ohne Bodyguards wohnt.
Wer sollte dem schon was tun wollen?
[ gesachtes von Andreas S. am 18.09.2006 um 19:30 ]