gesachtes vom 15.10.2006

Mein Gott, sie haben die DEG getötet!

DEG-Fans an der Brehmstraße: Wunderkerzen
Andernorts hatte ich auf Basis von Medienberichten über das Ende des spezifischen DEG-Gefühls berichtet. Nun wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, ich habe mich bei der VerBeurteilungzur neuen “Heimstätte” der ersten Mannschaft des Düsseldorfer Eishockeyvereins DEG nur von Ressentiments und sentimentalen Erinnerungen leiten lassen. Deshalb habe ich heute zum ersten Mal einen Fuß in die neue Halle in Düsseldorf-Rath gesetzt, die nicht ganz zu Unrecht ScheISS-Dome heißen muss. Beginnen wir mit den Äußerlichkeiten:

Wenige wissen, dass Düsseldorf bis weit in die siebziger Jahre hinein volle Kanne Ruhrpott war. Mannesmann und Klöckner sowie einige kleinere Werke, deren Mutterfirmen längst im Matsch der globalen Turbokonzerne untergegangen sind, produzierten auf dem Stadtgebiet Walzstahl, Röhren, Draht und Maschinen. Düsseldorf war mehr oder weniger Mannesmann-City, und fast jeder, der in der Stadt zur Schule gegangen oder studiert hat, fand irgendwann mal einen Job beim (man beachte das “m”!) Mannesmann. Möglicherweise in Rath. Denn zwischen Autobahn und Westfalenstraße gab es ein gewaltiges Werksgelände. Nebenan, an der Theodorstraße, und um die Ecke, am Rather Kreuzweg, wohnten die Mannesmänner. Erst fiel das Werk, dann die Wohnungen. Eine Häuserzeile an der Theodorstraße wurde von Hausbesetzern friedlich übernommen, instandgesetzt und zu einem multikulturellen Lebensraum (wie man ihn sich heute kaum noch vorstellen kann…) gestaltet. In den Neunzigern wurden große Teile des Industriegeländes plattgemacht. Das Gros der Grundstücke gehört der Stadt in Gestalt der IDR (Industrieterrain Düsseldorf-Reisholz). Schnell kam der Plan auf, hier eine neue Veranstaltungshalle zu bauen – einerseits, weil in einer Metropole (bruhaha!) wie Düsseldorf mit der Philipshalle nur eine eher kleine und zudem nicht sehr zeitgemäße Lokäschn für Konzerte und dergleichen bereitstand, andererseits, weil die Heimat der DEG, das altehrwürdige Eisstadion an der Brehmstraße, zunehmend verfiel. Tatsächlich wäre eine echte Modernisierung des Eisstadions am Zoo enorm teuer geworden, weil man dort praktisch alles – von den Eismaschinen über die Kabinen, den Tribünen und der Geschäftsstelle – hätte sanieren müssen.

Da wir seit einigen Jahren im Zeichen des Größenwahns regiert werden und der Erzfeind (die Stadt auf der falschen Rheinseite) mit der K***arena seit einigen jahren über eine moderne Halle für Konzerte etc, aber auch Eishockey verfügt, musste es mindestens ein Dome sein. Das Ding sieht nicht aus wie ein Dome, sondern eher wie das Werk eines architektonischen Dilettanten, der zuviel Fotos von Le-Corbusier-Bauten gesehen, aber nicht verstanden hat. Der Volksmund (immer lustich, immer originell) nennt es ein UFO. Na ja… Jedenfalls klotzt es zwischen Parkhaus und vierspuriger Straße die Gegend voll und ist einfach unschön.

Dass Ästhetik weder im Wertesystem der Erbauer, noch dem der Betreiber verankert ist, liegt auf der Hand. Wes Geistes Kind aber die Bande ist, die diesen Klumpatsch bewirtschaftet, zeigen ihre eigenen Worte:

“Der ISS DOME ist das neueste topmoderne Eventzentrum in Düsseldorf-Rath. Er zeichnet sich aus durch sein futuristisches Design, neueste Technik und ein breites Spektrum an Events. Sportveranstaltungen der Spitzenklasse, z.B. sämtliche Eishockeyheimspiele der DEG METRO STARS oder die Europameisterschaft in den Standardtänzen 2006 sowie internationale Shows, Rock- und Popkonzerte finden hier eine neue Spielfläche.”
(Quelle: Website des ISS Dome)

Ja, ein Eventzentrum ist es, ein futuristisches Design hat es. Von außen – mit äußerst gedehntem Wohlwollen betrachtet – vielleicht. Innen ist es kalt und tot wie all diese Eventtempel, die rund um VIP-Logen und Business-Clubs herum gebaut werden. Man sitzt auf bordeauxroten Polsterklappsesseln. Man läuft über rohen Beton. Und wenn man den Blick vom alles beherrschenden Multimediawürfel nach oben lenkt, erkennt man den Charme einer LIDL-Filiale. Die Ränge sind so angeordnet, dass auf drei Seiten der Eisfläche unten das Stehplatzpublikum angebracht ist, auf das die geladenen Besucher der VIP- und Business-Logen (bisschen Geschäft machen beim Spektakel?) einen freien Blick haben. Das erinnert an die Spielstätten der Gladiatoren zu Neros Zeiten, und wenn der durchgeknallte der OB der Stadt zufällig anwesend gewesen wäre, hätte er sicher das Volk befragt, welcher Spieler an Ort und Stelle hinzurichten sei – Daumen nach unten.

Nun herrschte heute im VIP-Bereich gähnende Leere. Auf den doppelt gepolsterten Stühlchen vor einer der Logen lümmelten ein paar Figuren gelangweilt herum während eine Handvoll anderer VIPs das Geschehen im Inneren an den Bildschirmen verfolgte. Überhaupt: Eigentlich ist eine Veranstaltung – selbst ein Eishockeyspiel – in einem solchen Eventzentrum nur virtuell. Handgezählte zwölf Kameras übertragen Szenen aus der Runde im Rahmen des so genannten “DEG-TV” auf den Würfel über der Eisfläche. Der hat die Größe eines Einfamilienhauses und zuckt und brüllt ohne Unterlass auf die armen Menschen ein. Tatsächlich wird das Ding bisweilen so laut, dass es die Reaktionen der Fans übertönt. Es ist ja auch viel spannender, emotzjonale Bilder von glücklichen Fans einzubeamen, als einfach nur den Zwischenstand einzublenden. Jede Spielszene wird in Zeitlupe wiederholt. Und wenn weder die Partie, noch das Volk was hergeben, wird geworben. Heute für Box’n, die Tupperware-Konkurrenz dersFrischhaltefoliengiganten Toppits (Außen Toppits, innen Geschmack). Ja, man verloste in einer der Pause jede Menge Plastikschachteln unter den Untertanen.
Es scheint, als wollten sich die Eventbetreiber nicht auf die Fans verlassen. Warum sonst sollte man denen vor der Startsirene erst einmal ihre eigenen Rituale vorkauen? Das beginnt mit dem Schneewalzer. Es folgt das Altbierlied. Dann eine längliche Zelebration der Mannschaftsaufstellungen. Der Auflauf der Heimmannschaft wird von nuttenförmigen Cheerleadern bewackelt und von staatlich geprüften Pyromanen mit Bengalen beschienen. Und wenn der Eventkrach endlich verstummt, dann spielt irgendein Arschloch in der Steuerzentrale die Technoversion von Zorbas Tanz. An dieser Stelle konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich weinen oder kotzen sollte.

Im Eisstadion an der Brehmstraße war Stimmung fan-gemacht. Gesänge und Rituale bildeten sich über mindestens vier Generationen DEG-Fans hinweg. Die Brehmstraße war UNSER Spielfeld. Wir haben’s erfunden! Tatsächlich ist nachweisbar, dass singende Fans zum ersten Mal im Stadion am Zoo zu hören waren – vor allen anderen Eishallen, aber auch vor den meisten deutschen Fußballstadien. Hier wurden Hits (Na, na, na, na, kiss him, goodbye) umgedichtet und Sprechchöre erfunden, die heute zum Volksgut zählen. Irgendwann in den frühen Siebzigern legte der Stadionsprecher den Schnee-schnee-schnee-walzer auf; wir lachten uns kaputt, waren wir doch alle auch Kinder der Zeit und deshalb Rockfans. Wir nahmen es mit Ironie, und beim dritten Spiel sangen wir mit. Dann schwappte vom Karneval das Altbierlied rüber – die wahre Düsseldorfer Nationalhymne. Wir machten es zur DEG-Hymne. Und bestimmten den Zeitpunkt, wann es gesungen wurde. Oft begannen die Fans zu singen, der Stadionsprecher startete die Platte und irgendwie synchronisierte sich beides. Später sangen wir die dritte Strophe (”Machen wir ne Herrentour an die schöne Ahr…”) a capella, nicht einmal oder zweimal, sondern bis zu sieben Mal hintereinander. Wir war der Event, wir waren die Animateure, wir waren anarchistische Fans, denen es nur darum ging, ihre Helden (Otto Schneitberger, Peter John Lee, Chris Valentine, Peter Hejma, Ben Doucet, Rick Amann und so weiter…) anzufeuern. Wir waren auch Helden, und sie waren uns nah. Die DEG-Spieler gehörten uns, und sie wussten es.
An der Brehmstraße wurde der Gebrauch der Wunderkerze umdefiniert. Schon in den Sechzigern – das Stadion hatte noch kein Dach – gehörte das Abschießen von Sylvesterrakete bei jedem DEG-Tor zur Folklore. Damit die ganze Stadt erfuhr, wieviele Treffer unsere Jungs erzielt hatten. Die begrüßten wir mit Wunderkerzen. Und weil Wunderkerzen im Dunkeln so schön funkeln, schaltete man später das Licht aus, wenn wir unsere Lieblingsspieler anfunkelten.
Tausende Pullover wurden gestrickt, ror und gelb quergestreift. Das war die Uniform, obwohl jedes Strickwerk ein bisschen anders aussah. Das war in der Zeit, bevor das Tragen von Trikots (übrigens: auch das eine Erfindung der DEG aus den mittleren siebziger Jahren!) modern wurde. Irgendwer ließ sich den ersten rot-gelb-gestreiften Altbierbecherhalter häkeln – genial: nun hatte man trotz des notwendigen Altvorrats die Hände frei.

Das war kreativ, echt und auch nicht ganz ernst gemeint. Die DEG war wichtig als Heimat, das Drum und Dran aber immer auch selbstironisch gebrochen. Wie sollen Eventmanager so etwas wissen? Sie sind ja ungebildet, denn wären sie es nicht, hätten sie einen ordentlichen Beruf gelernt und müssten nicht im Auftrag der Herren das Volk bespaßen. Sie sehen nur und wissen es nicht zu deuten. Also ahmen sie es nach in der Selbstgewissheit, sie könnten Stimmung produzieren.
Die verbliebenen DEG-Fans, also diejenigen, die sich Mühe geben, im ScheISS-Dome heimisch zu werden, sind die wertkonservativen. Sie singen das alte Repertoire, sie skandieren die alten Sprüche. Und sie versuchen, sich zu amüsieren. Da die Emotzjon aber nicht mehr echt ist, kommen sie aus dem Tempel und sind merkwürdig bedrückt. Auch heute, nach einem grandiosen letzten Drittel, das einen 5:2-Sieg brachte, schlichen sie sich müde lächelnd davon.

Man pfercht sie zusammen und beutet ihre Gefühle aus. Dafür müssen sie den VIPs das Volk machen und sich schlecht behandeln lassen. Nehmen wir nur einmal die Bewirtschaftung (neudeutsch: Catering – wobei ich mich immer frage, ob dieser Begriff daher stammt, das der Genuss von gecaterten Speisen und Getränken einen Zustand hervorruft, der einem Kater gleicht). Es ist ein Skandal. Man kann ja nicht mal einfach bezahlen. Man muss bei einer freundlichen, aber unmotivierten und extrem langsamen Mitarbeiterin eine Karte kaufen bzw. aufladen. Also: Du gibts, sammerma: 5 Euro, und kriegst ne Chipkarte im Wert von 5 Euro. In der Catering-Nische gibt es zwei Bereiche, einen für Hamham, einen für Gluckgluck. Heißt: Bier + Bratwurst = 2x anstellen. Du bist am Fressende dran, händigst der Type hinterm Tresen die Karte aus und äußerst deinen Wunsch. Die Bedienung stopft die Karte in ein Gerät, das einen Zettel macht. Du kriegst Karte und Zettel, während sich der/die/das Mitarbeiter hinter Edelstahl trollt. Nach wenigen Minuten händigt dir die Kraft das Essen aus. Ich hatte dummerweise Bratwurst. Kennst du das, wenn man ein Aufbackbrötchen aufbäckt, wieder einfriert und nochmal – und zwar mit zu hoher Temperatur- wieder aufbäckt? Okay. Die Wurst war lau und kostete 2,49. Das zweite Drittel war längst angetutet worden, dann war ich auf Position vier der Getränkewarteschlange. Ich bestellte schließlich Cola. Eine Dame im gesetzten Alter, die man in beklopptes Cateringfirmenzeug gezwängt und mit einem blöden Käppi versehen hatte, nahm die Karte, tippte auf dem schmierigen Display rum (Zettel machen!) und warf das zerknüllten Papierchen weg. Hinten an der Zapfstation war Aufruhr. Nix ging mehr außer Bier. Ich entschied mich für Wasser, weil da noch ein paar Becher rumstanden. Beim Stand von 7:46 auf der Spieluhr nahm ich wieder Platz. Inzwischen huschten junge Kerle durch die Reihen, die mit einem Gameboy ausgestattet waren. Sie fragten die Zuschauer nach ihren Wünschen und verdeckten dabei methodisch die Sicht auf die Eisfläche. Wenn jemand bejahte, durfte er Bargeld aushändigen, für das seine Karte aufgeladen wurde. Dann trat ein anderer Youngster hinzu, der die Bestellung aufnahm. Der Vater in der Reihe vor mir, bestellte für sich und Sohn Alt und Apfelsaft. Das war ungefähr bei 11:20 im zweiten Drittel. Die Getränke kamen drei Minunten … vor Ende des Spiels.

Wer Gastronomierfahrung hat und/oder schonmal auf der Kirmes am Bierstand gejobbt hat, weiß, wie Catering richtig geht. Da muss man schnell sein und aufmerksam. Da muss man einer im Team entwickelten Methode folgen, will man alle Wünsche erfüllen. Dieser Caterer beschäftigt ganz offensichtlich Menschen, die null Kellnererfahrung haben, die das Prinzip nicht verstanden haben und die hilflos überfordert sind. Dafür lungern irgendwelche Kappos in dunklen Anzügen mit Headsets herum, die ihnen sinnlose Anweisungen erteilen. Ich habe leider vergessen, wie das Catering-Unternehmen (das SELBSTVERSTÄNDLICH!!! eine eigene Loge im Darm, äh Dome besitzt) heißt. Ich hätte sonst eine offene Warnung an alle potenziellen Kunden ausgeworfen.

Wie’s mir ging? In der halben Stunde vor Spielbeginn war ich angesichts der dröhenden Stimmungshow (Spochtrepochter Otto Krause, eigentlich ein geschätzter Journalistenkollege, entblödet sich nicht, den Moderator des nervigen DEG-TVs zu geben…) zutiefst deprimiert. Im ersten Drittel gewöhnte ich mich langsam an das Spiel. Und im letzten Drittel war ich begeistert vom Eishockeyspiel und der DEG. Da habe ich zum Teil vergessen, wie widerlich das ist, was die Eventzentralisten mit dem Volk anstellen.


[ von Rainersacht um 21:05 in heimat ] [ 02456 x gelesen ] [ es wurde 6x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 6x was dazu gesacht

  1. Darf ich fragen wann du das letzte Mal an der Brehmstraße warst? Da ist der Einlauf nämlich seit einigen Jahren genau so wie er jetzt im ISS-Dome ist. Und wir sind was das Event machen angeht in Düsseldorf noch sehr gut bedient. Wie früher gibt es keine Musikeinspielungen in den Spielunterbrechungen und keine Animationsclips auf dem Würfel.

    Spieltagssponsoren und Spielwiederholungen gab es auch schon an der guten alten Brehmstraße.

    Ja, das Catering ist schlecht. Gestern gab es aber leckere Erbsensuppe für 1,99. Deutlich besser als Bratwurst und Co.

    Getränke kauft man übrigens am besten an den Schlösser Ständen. Die Mitarbeiter dort waren bisher immer schnell und kompetent.

    lg
    Michael

    [ gesachtes von Gnislew am 16.10.2006 um 18:45  ]

  2. @Michael: Du hast Recht – ich beziehe mich in meiner Trauer auf die goldene DEG-Zeit der mittleren neunziger Jahre. Tatsächlich geht meine Nostalgie noch weiter zurück: In die Zeit, als es noch keine Sponsorentribünen gab…
    Und dasmit den Schlösser-Ständen werde ich mir für den Fall merken, dass ich evtl. nochmal in den Dome geh.

    [ gesachtes von Rainersacht am 18.10.2006 um 12:04  ]

  3. Zur Überschrift:
    Die DEG – wie du sie kanntest – wurde bereits an der Brehmstraße “getötet”, wenn man drastisch bleiben will. Da du nach eigenen Angaben seit 92/93 nicht mehr dort warst, sind dir etliche Neuerungen/Veränderungen entgangen, z.B. der Umbau der Südtribüne, was etliche Zuschauer gekostet sowie eine veränderte Stimmung hervorgebracht hat. Eigens mitgebrachte Picknick-Körbchen, Heißgetränke und 10-Liter-Fäßchen wurden wenig später auch verboten, der Biersponsor wollte und konnte nicht mit länger ansehen, dass die Fangemeinde massenweise die Dosen eines auswärtigen Konkurrenten auf den Stehplätzen platt tretet. Über die verschiedenen Änderungen im Wettbewerb selbst nach Einführung der Däh-Eh-Ell braucht man sich nicht zu unterhalten, sie haben zu weiterem Exodus und zusätzlicher Öde geführt, ebenso die Einführung der nonverbalen Kommunikation mittels Handy und SMS seit Mitte der 90er Jahre: viele Fans texten das aktuelle Ergebnis dem Freund, Vatter oder Nachbarn, der zu Hause vorm Radio der Live-Übertragung lauscht.
    Der ganze Event-Quatsch fand größtenteils ebenfalls bereits an der Brehmstraße statt, und ich behaupte einfach mal, dass es den meisten Besuchern egal war, z.B. wurden die Cheerleader ausgelacht, die jeweilige Pausen-Performance dieser aufgemotzten Kinder und einiger anderer Pausenclowns war durch die Bank peinlich bis lächerlich, was die Fans in Scharen an die Bierstände trieb. Diese Peinlichkeit kann also auch (vielleicht vom Bierbrauer?) beabsichtigt gewesen sein, wer weiß.
    Erstaunlich ist allerdings, das DIESE Elemente in der Vergangenheit kritisierbar waren, heute allerdings nicht mehr! “Es gehört dazu!”, “Wir brauchen mehr Unterhaltung!”, “Wir müssen zusätzliches Publikum anlocken!” heißt es heute allenthalben. Und ab diesem Punkt wird die Eishockey-Nummer in Düsseldorf makaber: das Fußvolk ist nach wie vor in stattlicher Anzahl präsent, wie in alten Tagen, die Stehplätze sind gut bis sehr gut besucht. Die rot-gelben Folklore-Gruppen sind nach wie vor willkommen. Gezwungenermaßen muss man sagen, den ansonsten wäre die Halle leer und man könnte in das andere Zonenrandgebiet gehen (BenRATH) Und sonst? Anachronismus pur: die Sitzplätze der Eventmenschen und erst recht die Business-Logen der Wirtschaft bleiben verwaist, aber gerade für diese Klientel wurde der neue Laden gebaut, da man “zeitgemäß”, “konkurrenzfähig” und “repräsentabel” werden/bleiben wollte. Zumindest hat man dies der Eishockeygemeinde Jahre lang vorgekaut und mit Sprüchen wie “Sie werden hier mit Ihrer ganzen Familie einen unvergeßlichen Tag verbringen können!” zusätzlich garniert. Der Eventmensch ist aber 1. sehr wählerisch und 2. ähnliche Hallen/Arenen mit viel besserem Komfort gewöhnt, 3. traut er sich nicht nach Rath und 4. ist er nur durch Qualität zu überzeugen. Und irgendwie scheint vieles daneben zu gehen, denn die Zuschauerzahlen bewegen sich – wie gehabt – zwischen 6000 und 7000. Gegen Köln wird es – logisch – voll, zu Weihnachten kommen sogar die ungeliebten Verwandten mit.

    Das positive: es reicht völlig aus 10 Minuten vor Spielbeginn zu erscheinen und direkt nach Spielende zu verschwinden.

    [ gesachtes von my2cents am 25.10.2006 um 13:17  ]

  4. @my2cents: Danke für den ausführlichen Beitrag, der die DEG-Ära darstellt, die ich nicht aus persönlicher Anschauung kenne.
    Pass nur auf, dass du jetzt hier im DEG-Forum nicht so gedisst wirst wie ich ;–).

    [ gesachtes von Rainersacht am 25.10.2006 um 13:23  ]

  5. Gedisst? – Äääh… von wem denn? Da gibt es doch gar keinen mehr, der dies könnte :-) Überhaupt: was gibt es da zu dissen – jeder Anwesende hat den Blödsinn doch miterlebt…
    Die Kids unter 18 oder 20 werden sich nicht erinnern können, da zu jung, etliche ältere haben der ganzen Geschichte den Rücken zugewandt. Aus den ersten Jahren der 90er sind nur noch eine Handvoll Leute übrig geblieben, und zwar aus den weiter oben beschriebenen Gründen. Eben diese Fans haben den ganzen Käse live und hautnah miterlebt und irgendwie verdaut oder verinnerlicht, der Wechsel in die neue Spielstätte folgt daher auch einer bestimmten Konsequenz.

    Aber mal sehen, vielleicht melden sich einige Schönredner zu Wort.

    [ gesachtes von my2cents am 26.10.2006 um 23:44  ]

  6. [...] was. Da wundert sich der Fachmann, und der Laie wusste schon Bescheid. DEG ist nicht mehr DEG. Unübersehbar. Das Dilemma hat viel Väter. Einer davon heißt [...]

    [ pingback von Rainer sacht » DEG laufen Zuschauer weg am 10.10.2007 um 22:30  ]

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