
Man tut dem Schwein anundpfirsich Unrecht, wenn man es negativ konnotiert – zumal die weibliche Variante dieses putzigen Schinkenlieferanten. Allein, der Herr Volksmund will es so, dass das Etikett “dumme Sau” als üble Beleidigung verstanden wird. Vermutlich ist die Anwendung des Begriffs auf einen lebenden oder toten Menschen – und sei er auch bloß eine notorische Werbefigur – abmahnfähig. Deshalb werde ich an dieser Stelle (wie überall in meinem frischgeputzten und wasserdichten Blog) einen Teufel tun, irgendeine natürlich oder juristische Person als dumme Sau zu bezeichnen. Zumal es ja andere Tiere gibt, deren Bezeichnung von Hause aus eher nicht negativ besetzt ist. Nehmen wir den Bären, der seit diesem Sommer unter dem merkwürdigen Signum “Problembär” populär geworden ist. Mittlerweile wird ja jedes gestandene Mannsbild, wenn es denn über entsprechende Dimensionen und eine passende Gesichtsbehaarung verfügt, gern mal Problembär genannt. Geschieht dies, beginnen die Abmahnsäue mit Schaum vor dem Mund zu rasen. Was den neunziger Jahren der Rinderwahn, ist dem beginnenden dritten Jahrtausend der Abmahnwahn. Die Symptome sind ähnlich. Wie komm ich darauf? Kein Ahnung.
Denn eigentlich wollte ich mich nur darüber aufregen, dass der eigentlich gar nicht bärbeissig und -enähnliche daherkommenden Umweltengel Gabriel den geschätzten Kollegen Marcel Bartels von Mein Parteibuch verklagt hat. Es ist the same old story: Kläger wird in ihm unangenehmem Umfeld dargestellt, Kläger klagt jedoch wegen Recht am eigenen Bild. Das kenn ich ja. In Wirlichkeit geht es nur um eins: KRITISCHE STIMMEN MUNDTOT MACHEN!!! Alles andere ist nur vorgeschobenes juristisches Geseiere. Ein Geseiere gewisser WinkelAdvokaten, deren Rechtsverständnis auf dem persönlichen Bankkonto liegt. Furchtbar, solche Juristen (auch dieser Satz in anderer Konfiguration übrigens abmahnfähig). Okay, wenn man Jura zu dem Zwecke studiert hat, mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel Kohle zu schöffeln, dann muss man ja Abmahnwalt werden.
Ja, das Recht am eigenen Bild ist ein wertvolles Gut, keine Frage. Wenn aber eine Person das Recht am eigenen Bild einklagt, die jede Möglichkeit nutzt, die eigene Visage (und sei sie noch so widerlich) in eine Kameraöffnung zu zwängen, dann fragt man sich, ob diese Typen nicht eher ein Unrecht am eigenen Bild haben. Und wenn es sich dann um eine Person der Zeitgeschichte handelt, dann sind alle Bilder dieser Person, die bei den Medien offiziell zugänglich gemachten Anlässen geknipst oder gefilmt wurden, eben auch zu veröffentlichen. Finde ich. Sonst kommt es noch soweit, dass ein kartoffelförmiger Glimmertwin per Dekret gebietet, dass man eine seiner SchweineGesichtshälften nicht mehr abfotografieren darf. Ganz schön feist dreist.


Nun – doppelt unverständlich ist diese Stigmatisierung der «Sau» als schimpfwörtliches Wesen dadurch, dass selbst ein großer deutscher Elektronikkonzern eine Sau inzwischen als Werbeleiterin eingesetzt hat – wenn man denn deren selbstproduzierten Fernsehbildern trauen darf. Wie’s dort in der Rechtsabteilung aussieht, das zeigen sie bisher leider noch nicht. Aber vielleicht bringen sie aus der Gegend auch noch mal ‘ne Folge. Weiterhin redet der Konzern neuerdings alle TV-Zuschauer fröhlich-kollektiv mit «Sau, Sau, Sau» an. Deutsche Richter scheinen mir ein wenig hinter der Zeit zurück, wenn ich mir diesen despektierliche Bemerkung mit allem gebührenden Respekt mal erlauben darf …
[ gesachtes von Chat Atkins am 05.11.2006 um 08:45 ]
Nebenbei – du bist gar nicht mehr allein. Dem Ruf ihres Maskottchens jagen sie derzeit mit allen Mitteln hinterher: Der Konzern überzieht einem Zeitungsbericht zufolge vor allem Internet-Shops mit einer Welle von Abmahnungen.
[ gesachtes von Chat Atkins am 05.11.2006 um 09:07 ]
Widerliche Kakerlaken…
Heute drueber gestolpert……
[ trackback von Pharaos WeBLog am 06.11.2006 um 00:11 ]