
Was von außen wie eine nette, kleine Seite mit netten, kleinen Rezepten aussieht und dies auch im Namen vor sich her trägt wie ein Jungferkleid, ist weniger ein Kochstudio als eine regelmäßig anlaufende Abmahnmaschine. In regelmäßigen Wellen lässt Marions Gatte von Anwälten das Web nach Bildern durchforsten, die von ihm stammen und auf Marions-Kochseite veröffentlicht wurden. Egal, ob Brötchen oder Bockwurst, egal ob 220 mal 165 Bildpunkte oder bloß 80 mal 80 – es kostet den Erwischten rund 600 Euro an Abmahngebühren. Natürlich schäumt Kleinbloggersdorf vor Wut, aber die Justizexperten der Szene geben zu bedenken, dass es ja tatsächlich unter Content-Klau zu fassen ist, wenn jemand ohne Genehmigung ein Foto aus Marion’s Kochbuch runterlädt und auf der eigenen Seite verwendet – egal, ob mit oder ohne Quellenangabe. Das sehe ich übrigens auch so, zumal Marions Mann, der Folkert, diese Fotos ja beruflich herstellt, also zum Zwecke des Geldverdienens. Die Diskussion darum, ob es grundsätzlich bäh-baä ist, auf dem Urheberrecht zu bestehen, ist also sinnlos, wenn nicht sogar im Sinne von Blogger-Content kontraproduktiv. Ob es Marions Männe zumutbar wäre, jeden Blogger, der “versehentlich” ein geklautes Bild veröffentlicht hat, per Mail darauf hinzuweisen und um Entfernung zu bitten – wie es ja in Blogger-Kreisen gern als angemessenes Verhalten vorgeschlagen wird -, ist zubezweifeln, denn sammerma alle drei Monate mit zehn, zwanzig Nasen zu korrespondieren, ist ja auch nicht wirklich spannend und produktiv.
Dass die Anwälte des Ehepaars Knieper aber eine gut geölte Abmahnmaschine gebaut haben, die rasenmähermäßig alles zum gleichen Kostensatz abmahnt, ist die dümmste Methode, die sich Fotograf & Köchin haben aufschwatzen lassen können. Zumal sich ja auch irgendwann die Frage der Sittenwidrigkeit stellt, wenn jemand nachweisen könnte, dass die Anwälte nur oder vorwiegend zum Erzeugen von Kostennoten abmahnen. Oder, schlimmer noch, wenn aus den Abmahngebühren provisionen an die Kniepers fließen würde. Aber das wollen wir doch mal nicht annehmen…
Das eigentliche Problem liegt woanders: Manchmal möchte man als Blogger einen Beitrag gern schön, schnell und passend bebildern. Man berichtet vom Grillen und will eine Bratwurst zeigen. Also googelt man rasch und findet das gewünschte Foto. Zack, downloaden und einbauen. Fertich. Wenn es aber eine ausreichende Anzahl an freien Food-Fotos gäbe, dann könnten die Blogger sich ja bedienen, ohne Post von Kniepers Anwälten fürchten zu müssen. Deshalb schlage ich eine Initiative vor: Freie Food-Fotos für alle!. Jeder Blogger, der unfallfrei eine Digitalknipse halten kann, möge an Lebensmitteln und Gerichten forografieren, was ihm vor die Linse kommt, und die Ergebnisse mit dem Hinweis posten, dass jeder die Fotos gerne und nach Belieben veröffentlichen darf. Ich fang mal mit der Zitrone an. Also: Dieses Foto darf JEDER, auch ohne Quellenangabe runterladen und nach Lust und Laune nutzen.
Wer macht noch mit?


[...] Rainer sacht » Freie Food-Fotos für alle! [...]
[ pingback von KOCHWERKSTATT » links for 2007-05-03 am 03.05.2007 um 10:20 ]
[...] Brötchen und Bockwurst aus M. Kotzbuch, noch ist das die Birne von AG Steinhöfels [...]
[ pingback von Brötchen, Bockwurst, Birne - AG Steinhöfel & M. Kotzbuch am 02.06.2007 um 21:41 ]
[...] wir sind mit http://www.jungekueche.de dem Aufruf von Rainer gefolgt und bieten jetzt kostenlose Food-Fotos an. Somit können Blogger jetzt ihre [...]
[ pingback von Leckere Rezepte » Endlich: Food-Fotos for free am 21.09.2007 um 11:41 ]
[...] da lag ich ja wohl mit meiner Vermutung Anfang Mai vergangenen Jahres wohl nicht so falsch. Seinerzeit geriet erstmals die Abmahnerei des [...]
[ pingback von Rainer sacht » Marion ihr sein Mann seine Abmahnfalle am 07.02.2008 um 13:58 ]