gesachtes vom 27.06.2007

Anarchie in D-Land!

Ja, müssen wir nicht mehr einführen, die Anarchie so wie sie die Konservativen immer mehr verstehen, also die Abwesenheit von Recht und Ordnung. Brauchen wir keine Auto-nomen für, haben wir doch die Auto-fahrer. Bin ich der Einzige, der den Eindruck hat, dass die StVO außer Kraft gesetzt wurde? Stehe ich allein mit der Annahme, dass rund ein Drittel der Kfz-Lenker sich nach eigenen Gesetzen durch den Verkehr bewegen? Dass Tausende Führerscheininhaber offensichtlich der Meinung sind, die für Menschen gemachten Verkehrsregeln gölten nicht für sie?

Mal konkret: Wenn ich – wie vorwiegend – zu Fuß in der Stadt unterwegs bin, stelle ich fest, dass das Gelbe auf der Ampel allem Anschein nach nur noch eine Schmuckfarbe ist, die ihre ursprüngliche Bedeutung (Geschwindigkeit drosseln, bremsbereit sein, es folgt Rotlicht) verloren hat. Ja, dass selbst das allergrößte Verbrechen früherer Jahre, nämlich bei Rot volle Kanne über eine Kreuzung zu brettern, mittlerweile Volkssport geworden ist. Des weiteren sind Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinbar nur noch was für Memmen. Nehmen wir die nahegelegene Oberbilker Allee, die auf dem Abschnitt zwischen der Cornelius- und der Hüttenstraße schnurgerade verläuft. Eine Ampel auf Höhe der Phillip-Reis-Straße soll die Passanten vor dem Gröbsten schützen, schaltet aber auch nur alle drei oder vier Minuten auf Rot für die Autofahrer. Die Grünphase ist so bemessen, dass der handelsübliche Rollator-Chauffeur gute Chancen hat, etwa die Hälfte der Fahrbahn zu überqueren und danach sein Schicksal in die Hand Gottes zu legen hat. Früher – also vor acht, zehn Jahren, hielten die PKW-Artisten treu und brav an, wenn das Verkehrslichtzeichen dies gebot. Heute rast immer mindestens einer noch durch, wenn die Fußläufer schon Grün haben. Immer! Und wenn einer dann (was ich regelmäßig tue) solchen Arschgeigen den Stinkefinger weist, dann wird man mindestens behupt oder – das geschah unlängst – von dem Deliquenten auch noch verfolgt mit der deutlichen Absicht die begonnene Körperverletzung zu vollenden.

Natürlich darf man, da innerorts gelegen, auf dem beschriebenen Straßenstück nur mit 50 km/h agieren. Schätze, daran halten sich maximal 20 Prozent der Driver. Gefühlte Geschwindigkeiten von 60, 70 oder auch 90 Stundenkilometern sind an der Tagesordnung. Und das auch mitten am hellichten Tag, wenn fröhliche Schulkinder dazu neigen, sich gegenseitig auf die Fahrbahn zu schubsen. Komischerweise bauen die Förster nie ihre Passbildautomaten hier auf. Vermutlich hat deren Oberste Heeresleitung diesen Frontabschnitt längst verloren gegeben.

Nun frage ich mich seit geraumer Zeit: Wie kommt? Und habe auch schon eine Theorie. Wir erleben die Mediterrannisierung deutscher Straßen, denn die beobachteten Effekte (dazu zählt der Verzicht aufs Blinken, sinnloses Hupen, behinderendes Stehenbleiben zwecks Plausch etc pp) kennt der gemeine deutsche Urlauber aus solch malerischen Metropolen wie Rom, Athen, Istanbul, Madrid, Marseille oder auch Tunis. Dort gehört die anarchische Fahrweise bekanntlich zur Folklore. Und funktioniert vergleichsweise schadensarm. Denn wer dort lebt, der weiß Bescheid und hat sich von Säuglingsbeinen an adaptiert. Natürlich ist der Verkehr z.B. in Neapel eine einziges Chaos, aber kein menschenfeindliches. Ganz im Gegensatz zur akuten Anarchie hierorts.

Ich glaube also, dass es drei wesentliche Einflussfaktoren für die Verrohung der Lenksitten gibt: a) der Import heimischer Verhaltensweise durch Migranten aus den genannten Gegenden, b) die Adaption für wild und frei gehaltener Verkehrsgewohnheiten durch fehlgelenkte Multikulturisten und c) die Gehirnwäsche diverser Medien in Richtung auf Mißachtung des Staates und seiner Organe, die ja (BILD dir bloß keine Meinung) den Bürger nur ausnehmen wollen.

Für Faktor a) spricht, dass sich beim fortgesetzen Übertreten der StVO besonders die Hormonbeutel sichtbar süd- und südosteuropäischer Herkunft in ihren voll krrrassen Drrreiern hervortun (Hast du keine Eier, brauchst du einen 3er). Die halten das nicht für normal, sondern für männlich, dem Gesetz die Stirn zu bieten. Oft spielt auch ein sublimierter Jagdtrieb, der in der Heimat an unschuldigem Kleinvieh abgearbeitet wurde und hierzulande auf den Fußgänger projiziert wird, die entscheidende Rolle. Natürlich kommt erschwerend hinzu, dass der Lappen in Migrantenkreisen auch ohne Kenntnis der Verkehrsgesetze für kleines Geld zu haben ist. Soviel zu meiner latenten Ausländerautofahrerfeindlichkeit.
Faktor b) lässt sich hauptsächlich an Fahrer von einschlägigen Kombis (Wer kennt noch das VW-Sondermodell der achtziger Jahre namens “Passat Teacher”? Genau: Fest installiertes Surfbrett auf dem Dach und gravierte Friedenstaube auf der Heckscheibe…) festmachen. Früher sind die Gefühlvolvisten lange um den Block gekurvt, um einen legalen Parkplatz zu finden. Heute bleiben sie genau da stehen, wo sie hinwollen, schalten den Warnblinker ein und antworten, wenn auf diese Rücksichtslosigkeit angesprochen, gern “Aber ich wollt doch nur mal eben schnell…”
Die Lektüre einschlägiger Kackmedien belegt Faktor c) eindeutig. Das Bild(sic!), dass die dort als Journalisten engagierten Intelligenzallergiker von den Ordnungskräften zeichnen, ist das von Dieben & Wegelagerern. Wenn an einer Autobahn, die mitten durch bewohntes Gebiet führt, zur Lärmdämpfung eine Begrenzung auf 100 km/h eingerichtet und sogar per Blitzer überwacht wird, dann tun die Förster das angeblich nur, um Geld in irgendeinen Staatssäckel zu befördern – so sehen es die Wichser der Medien. Überhaupt sind Geschwindigkeitsbegrenzungen reine Schikane. Dass nachweisbar oft durch solche Einschränkungen Unfallzahlen rapide gesenkt wurden, verschweigen diese Flachlappen. Oder Strafen für Falschparken. Ja, wenn’s doch zu wenig Parkplätze gibt! Laut dieser Irren hat der Mensch so zu sagen ein Naturrecht auf einen Parkplatz für seine Blechdose – und zwar an allen Orten, die er so ansteuert. Wer einen Benzin- und Autosteuerzahler daran hindert, seine Kiste da abzustellen, wo er das für richtig hält (z.B. an einer laut und deutlich als Feuerwehrzufahrt gekennzeichneten Stelle…), und ihn gegen erhebliche Gebühren abschleppen lässt, ist eine Art staatlich sanktionierter Pferdedieb. Diesem Staatsterror muss sich Otto Normalfahrer according to the Scheißblatt unbedingt widersetzen.

Ja, ja, ist ja schon gut. Ich weiß, das sind alles Binsen, dass es im Verkehr immer rauer zugeht. Ich bin nur nicht gewillt, dass länger hinzunehmen und fordere daher die Behörden auf, die Ordnungsmacht um mindestens das Doppelte zu vergrößern, um den durchgeknallten PKWichsern endlich Mores zu lehren. Falschparkende Autos gehören nicht abgeschleppt, sondern angezündet! Zu schnelle fahrende Autos müssen durch finale Rettungsschüsse gestoppt werden! Wer bei Rot durchfährt, wird mit Stockhieben auf den nackten Arsch bestraft! Ja, ich fordere eine spezielle Scharia für den deutschen Straßenverkehr!


[ von Rainersacht um 22:10 in ichregmichauf ] [ 01014 x gelesen ] [ es wurde 2x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 2x was dazu gesacht

  1. Hi,

    volle Zustimmung mal wieder. Jeden Tag Kreuzung Graf-Adolf-Platz / Kasernenstrasse:
    Wir Fussgänger haben grün und wollen Richtung Schwanenspiegel. Autofahrer die abbiegen vermitteln einem immer das Gefühl, zu langsam zu sein. Wären wir Tiere müssten wir uns auf den Rücken legen und die Ohren anziehen. Sind wir aber nicht und deshalb lasse ich mir extra schön viel Zeit. Ich warte immer darauf, dass mir jemand in die Haxen fährt. Vor allem die GAP-15 Insassen, die mit ihren Leasinggeschossen meinen sie wären die Könige. Manchmal kömmt man morgens nur knapp an deren Tiefgarageneinfahrt vorbei, wenn die um die Ecke da einbiegen.
    Könnte gtatt sein, dass das hier (http://www.matthias-neugebauer.de/node/375) eine aus deren Umfeld war.

    Gruss,

    Matthias

    [ gesachtes von matze am 28.06.2007 um 08:07  ]

  2. Als als beruflicher Viel-, Weit- und Defnsivfahrer ist mir dieser schleichende Prozess schon vor 10 Jahren aufgefallen.

    - beim Einparken hat kein Hintermann bzw. -frau mehr 5 Sekunden Zeit diesen Vorgang abzuwarten, ausscheren, schnell vorbei
    - das gleiche gilt beim Abbiegen
    - subjektiv zu langsam, schnell vorbei, auch wenn die Ampel in 100m voraus gerade auf Rot springt
    - 3-spurige Autobahn, mit 100 immer schön auf der mittleren Fahrspur
    - die ganze Welt soll meine Musik hören, aus dem Cabriolet heraus
    - eine Karre teuerer wie die Wohnungseinrichtung, aber keine € 150,00 für eine Freisprechanlage
    - usw. usw.

    Was mich aber am meisten ärgert ist der Bullen-Stil – mit nicht unwesentlichem Benzinverbrauch wie ein wilder Stier an eine Vorfahrtsstrasse heran, auf den letzten Drücker bremsen und somit den Vorfahrtsberechtigten bis zum Schluss im Unklaren über seine Aktion lassen. Das Schlimme dabei ist, die Verursacher merken’s nicht, ausser bei den Anderen.
    Nein die Fähigkeit, den Strassenverkehr zu lesen ist unser ‘ich-bin-doch-nicht-blöd’-Gesellschaft ebenso abhanden gekommen wie die Solidarität. Aber was tut man nicht alles für ein paar Minütchen eher am Ziel und einem nachfogenden Handygespräch.

    [ gesachtes von 42na95 am 28.06.2007 um 08:46  ]

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