
Da gibt es ja jetzt dieses center.tv, dass sich Heimatfernsehen nennt, auch für Düsseldorf. Es ist über DVBT zu empfangen und vermutlich auch über das analoge Kabel. Neu ist das nicht, aber jetzt einigermaßen, na ja, professionell. Bereits im vergangenen Jahr lief es im Testbetrieb (glaub ich), wobei der größte Teil des Programms aus Wiederholungen irgendwelcher Kniekehlenhosenmoderatorenkindergeburtstage bestand. Zudem liefen spät in der Nacht, von eingängiger Fahrstuhlmusik begleitet, wunderschöne Filmchen über die verschiedenen Ecken der Stadt. Hinreißend!
Jetzt aber macht der hiesige Ableger des k***er Unternehmens center.tv sowas wie Lokalradio zum Angucken. Passend dazu wurde Christian Zeelen zum Chefmoderator und Redaktionsleiter ernannt. Den Zeelie, wie ihn seine Freunde und Bewunderer nennen, kenne ich einen Hauch mehr als flüchtig und finde, dass er ein ziemlich netter Kerl ist. Vorher war er bei Antenne Düsseldorf, unserem Lokalradio, wo er unter anderem die Morgensendung “Hallo Wach” betreute und sich von den üblich dumm-hysterischen Privatfunkwichsern ausgesprochen positiv abhob. Klar, auch er fand, dass Wetter immer aus Sonne bestehen müsste. Ja, auch Zeelie versuchte dem Volk (das ja so gar nicht ist) aufs Maul zu schauen. Aber nie mit dieser plumpen Fröhlichkeit, sondern mit einem optimistischen Humor, der sich nicht aufdrängte. Deshalb nahm ich an, dass center.tv Düsseldorf unter seiner Leitung Niveau erreichen könnte.
Und so habe ich mit an den letzten Abenden systematisch an die Wiederholungen der Tagessendungen auf center.tv gemacht. Erste Einsicht: Christian Zeelen ist nicht telegen. Kann auch an dieser beschissenen Studiobeleuchtung liegen. Jedenfalls wirkt er wie der Große Amerikanische Adler aus der Muppet-Show: Etwas verkniffen, einen Hauch missbilligend. So sieht der in echt nie aus. Dann hat er sich sein – da kann er ja nix für – schütteres Haupthaar irgendwie nach oben gelen lassen, sodass dauernd die Kopfhaut durchschimmert. Und schließlich trägt er unmögliche Anzüge, die immer billig und zu groß aussehen. Leider hat er auch nicht mehr diesen sympathischen Ton in der Stimme. Nein, das ist nicht der Zeelie, den ich kenne. Schade.
Zweite Einsicht: Offensichtlich hat das Büro des OB ein Dossier über Zeelen und/oder center.tv. Nur so ist zu erklären, dass die Visage des Stadtdespoten schon im Vorspann zur Nachrichtensendung vorkommt und der Typ jeden Tag einmal was sagen darf – und wenn’s auch nur vom Bonzengolfplatz aus ist, wo er einen Ball verschlägt (deutlich unter Anfängerniveau) und man ihm ein “Scheiße” von den Lippen ablesen kann. Die Arschkriecherei geht so weit, dass Zeelen es zulässt, dass Erwin bei einer völlig unpassenden Gelegenheit auf die Opposition draufhaut. Das sinnlose Auftauchen des Oberbürgermeisters macht die Lokalnachrichten fast unerträglich.
Neben der vermuteten Dossiers gibt es eine weitere Erklärung für die Mastdarmakrobatik des Christian Zeelen. Die hängt mit seiner Nebentätigkeit als Karnevalssänger zusammen. Ja, Zeelie ist Teil des Duos “NullZwo11“, das seit zwei Jahren versucht, seinen teil vom hiesigen Winterbrauchtumskuchen abzuschneiden – denn, wer in der Szene akzeptiert ist, der kann während der Session ganz schön viel Geld nebenbei verdienen. Über die Qualität von NullZwo11 (allein die Schreibweise macht mich krank – Deppenorthografie!) kann ich mir kein Urteil erlauben, ich höre keine Karnevalsmusik.
Jetzt muss aber wissen, dass der Düsseldorfer Karneval aufs Schärfste von der Familie Erwin kontrolliert wird. Man darf sich das so ähnlich vorstellen wie bei den Sopranos, dass die Familie einen Geschäftszweig kontrolliert, über Wohl und Wehe, also über die Einnahmen der “Künstler” entscheiden kann … ohne direkt Einfluss zu nehmen. Gattin Hille ist aktiv sowie führend im Förderverein Düsseldorfer Karneval e.V. und sorgt für die Sauberkeit im Frohsinn. Töchterchen Angela Merkel wiederum war mal Venezia (so der offezjelle Tittel von der Karnevalsprinzessin von Düsseldorf) und ist im Verein der ehemaligen Venezien federführend. Kurz und knapp: Wer was werden will im Düsseldorfer Karneval, womöglich sogar mal an der mega-wichtigen Fernsehsitzung auf der Bühne sein närrisches Tun präsentieren will, der tut gut daran, sich mit dem Erwin-Clan gut zu stellen. Und das tut der nette Herr Zeelen jetzt tagtäglich.
Desweiteren: Das was center.tv Düsseldorf Nachrichten nennt, besteht fast ausschließlich aus Iewent-Berichterstattung, wobei Veranstaltungen, die der OB gutheißt, bevorzugt behandelt werden. Über den Christopher-Street-Day, der auf Weisung des OB-Büros von der Kö verbannt und an den Burgplatz verschoben wurde, die Tage, an denen Schwule und Lesben einfach so mitten im Herzen der Stadt abfeiern, berichtete center.tv zwar auch, interviewte aber dazu die chancenlose Sozentusse Gudrun Hock, die im Fernsehen noch hysterischer wirkt als in Wirklichkeit. Die muss was zu den Homosexuellen sagen, Herr Erwin preist dagegen die deutsch-japanischen Wirtschaftsfreundschaft auffem Golfplatz in Hubbelrath – das nenn ich Programmpolitik.
Ansonsten ist die Sportberichterstattung ziemlich ordentlich, und die Stadtteilfilmchen sind immer noch tränenrührend schön.


[...] ist einfach nur ekelerregend (siehe auch Nobbis Blog) – allen voran der Chef des Lokalsender Center.TV, Christian Zeelen, und die Hofberichterstatterin der Rheinischen Post, Denisa [...]
[ pingback von Rainer’sche Post » Die Stunde der Heuchler am 21.05.2008 um 12:04 ]