gesachtes vom 27.08.2007

Gefährliche Pflaster

Mintrop - unser Rotlichstviertel
Unser OB, der Onkel Erwin, der will ja die kleinste Metropole der Welt krampfhaft auf schick bürsten und zu diesem Zwecke, Menschen mit Verwahrlosungstendenzen über die Stadmauern pfeffern lassen, wo gegen sein Polizeipräsident irgenswie Toleranz einfordert. Derweil halten einzelne Motorradpolizisten Radfahrer auf, die gegen den Uhrzeigerseinn übern Bürgersteig strampeln, anstatt Verbrecher zu fangen. Beruhigend ist, dass es auch in einer Stadt kurz vorm Hauptwaschgang noch richtig gefährliche Sachen gibt.

So fand man(?) am Sonntagmorgen einen kopfgeschädigten Kerl vor einem der Etablissements des hiesigen Rotlichtsviertels, das circa 120 Meter lang und zwei Fahrspuren samt Gehweg breit ist. Ein Anwohner, schlaflos in da City, habe zuvor einen Tumult gehört. Danach seien zwei Typen abgehauen, während der andere den Bürgersteig vollblutete – klassische Verwahrlungstendenz. Ordentliche Bürger bluten zuhause oder in der Privatklinik. Also wird er schon verdient haben, aufs Hirn zu kriegen. Hat vermutlich versucht, beim Mau-Mau im Hinterzimmer zu schummeln.

Apropos Kartenspiel: In derselben Nacht, maximal einen Kilometer Luftlinie entfernt, hatte gegen 03:30 das ominöse “Bistro Steki” an der Ecke Fürstenwall / Jahnstraße unerfreulichen Besuch. Das war mal ein griechisches Restaurant, so richtig mit Gyros und Dudelsirtaki. Dann war’s zu, und dann ging man da nicht mehr hin. Innen drinne standen dann schmucklose Tische mit leeren Stühlen, und die Fenster waren folisiert. Man munkelte, es würde nun ein Kulturzentrum (die ja bekanntlich vorwiegend türkisch sind…) dort entstehen. Zum Zwecke der Vorbereitung sollen sich zur Tatzeit rund 15 Männer dort aufgehalten haben, die dem Vernehmen nach äußerst pralle Geldbörsen mit sich führten. Die Verbrecher unter Führung eines Zopfträgerds (Verwahrlosungstendenz!!!) fesselte die Gäste und nahm sie aus wie die geschächteten Osterlämmer.

Auf der Giftmeile vegetiert eine ständig wechselnde Anzahl an Kulturzentren (teils ziemlich griechisch, teils anderweitig auswärtig geführt), Nachtcafés, Internetcafés und Spielhallen vor sich hin, in denen vor Mitternacht nie niemand ist, danach im Gastraum nur selten mehr als eine Handvoll Gäste. Wer die Häuser kennt, die derlei Gastronomie beherbergen, weiß, dass diese meist über erhebliche Anbauten in Richtung Innenhof verfügen, man könnte auch von Hinterzimmern sprechen. Bisweilen machen die Zivilförster ihre Aufwartung und nehmen Mau-Mau-Karten und Rouletttische mit.
Lustig ist aber zu beobachten, wo die illegale Zockerei noch so ihre Niederlassungen hat. Nehmen wir das Büdchen auf der XXX, Ecke XXX, das sich durch einen erheblich unfreundlichen, schlecht rasierten Inhaber und so einen würfelförmigen Sohn auszeichnet. Dort spricht man Tzatziki. Als ich dort noch meine Zarettenmarke bekam, wurde ich des öfteren Zeuge eines interessanten Vorgangs. Es fuhr vor ein tiefergelegtes, auffällig gefärbtes Coupé. Es schälte sich ein unförmiges, aller Wahrscheinlichkeit nach heftig gedoptes Wesen, aus dem Karren, welches das Büdchen betrat, wortlos am Stehtischplatz Platz nahm und dort verharrte. Wenig später parkte eine schwarzes Limousine vor der Lokalität, und ein feiner älterer Herr stieg aus. Auch dieser betrat die Trink- und Tabakwarenhalle, begrüßte die Anwesenden fröhlich, nahm die Huldigung des Besitzers sowie ein etwa DIN-A5 großes Mäppchen in Empfang, und nach weiteren Grußworten den Raum zu verlassen. Nachdem das schwarze Gefährt entschwunden war, verpieselte sich auch der Gorilla. Was soll man davon halten?

Und vor allem: Wie hängt das alles miteinander zusammen? Isch weißet nit, isch ahne bloß…

Quelle: Die Mintropstraße bei Night … [Klick auf Bild macht groß]


[ von Rainersacht um 21:57 in heimat ] [ 01332 x gelesen ] [ es wurde 1x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 1x was dazu gesacht

  1. [...] Ja, auch unter einem Oberbürgermeister Joachim Erwin, dessen Gattin sich gelegentlich öffentlich vor männlichen Genitalien ekelt, gibt es in Düsseldorf ein Rotlichtmilieu. Nun könnte die schönste Stadt am Rhein in Sachen Sünde – wie man BILDlich so sagt… – nie mit der südlich angelegten verbotenen Stadt am falschen Ufer mithalten. Wie auch, ist doch die Gründung der Colonia Aprippina darauf zurückzuführen, dass die römischen Truppen unterwegs einen Großpuff brauchten. So hielt sich das hübsche Residenzstädtchen geschichtslang weitestgehend fern von der käuflichen Liebe – wie man in der BILD die Prostitution, auch die zwangsweise, euphemistisch nennt. Da bleibt den Spesenrittern hier wenig mehr als Berts Edelbordelle (Seventy-Seven Rethelstreet), der mobile Straßenstrich an der Fährstraße, die Drogennutten der Charlottenstraße und eben die knapp hundertfünfzig Meter Mintropstraße. [...]

    [ pingback von Rainer’sche Post » Das hiesige Rotlichtmilieu am 18.05.2008 um 14:02  ]

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