
Selten hab ich mich bei einem Fußballspiel so königlich amüsiert wie gestern nachmittag im Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich. Die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf (kurz: Die Zwote) trat in der Oberliga Nordrhein gegen den Wuppertaler SV II an. Die Tribüne war mit zweihundert + x Leuten gut gefüllt, auf den Stehrängen tummelten sich weitere Zuschauer, und die Wuppis waren auch vollzählig mit gefühlten dreißig Typen da. Da irgendein Horstotto (vermutlich dieser Düsseldorfer Journalist, der sich schon beim Wort “Hooligan” Köttel in die Bux macht…) das Gerücht aufgebracht hatte, dass ein Horde Asitaler Fans der Kategorien B und C per Sonderzuch im Anmarsch seien, waren die Förster teilweise in der Überzahl. Aber auch die hatten einen sonnigen Nachmittag an der frischen Luft. Ich saß im Kreise der wahren Zwote-Fans – ja, die gibt’s; mitsamt profimäßiger Website und einem Diskussionforum, das den offezjellen Fortuna-Admins die Schamesbläße ins Gesicht treiben sollte – und hatte Spasss. Gewisse Angehörige und -innen dieses elitären Zirkels hatten mich per fortwährender Belaberung, Einreden eines schlechten Gewissens und Androhung milder Gewalt gezungen, anzutanzen. Das habe ich nicht bereut, auch wenn ich jetzt sowas wie ein Maskottchen abgeben muss, denn die Zwote hat mit Zwo zu Nix gewonnen.
Ein aufstrebender Wuppi-Star namens Marcel Reichwein rückte rasch in den Mittelpunkt. Weniger deshalb, weil er jeden Tim-Borowski-Lookalike-Contest gewinnen würde, sondern weil er unseren Torhüter umrannte und sich entschuldigte. Laute “Heuchler”-Rufe machten ihn unruhig. Dann erlaubte er sich eine weitere Unschönheit, und schon geriet sein Schuhwerks ins Blickfeld: Der Bursche trug gelb. Das animierte einen Teil dieser kreativen, fanatasiebegabten Bande um mich herum dazu, auf die Melodie der Fußballhymne “Seven Nation Army” (White Stripes) folgenden Text zu intonieren: “Gelbe Schuhe sind Scheiße!”. Der Song erscholl nun jedes Mal, wenn die Nummer 11 irgendwie auffällig wurde. Kurz kam auch noch dieser Gesang auf: “Ei-jei-jei-jei, er wünscht, er wär Ronaldo” Ich hatte Lachtränen in den Augen. Nun begab es sich, dass unser quiriliger Knipser, der supernette Frederick Donkor, a) mit goldenen Schuhen antrat und b) ein blitzsauberes Kopfballtor erzielte. Flugs wurde umgedichtet: “Gold’ne Schuhe sind super.” Der Herr Reichwein war offensichtlich angenervt, denn als er sich durch den Spielertunnel zur Kabine begab, warf er den Zwote-Fans böse Blicke und eine bestimmt unfreundliche Bemerkung zu.
Danksagung: Ich bedanke mich insbesondere bei RaF und bei Schmicke sowie bei Dr. Ische und Konsorten für die Überredung. Gestern war nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.

