gesachtes vom 09.10.2007

Dejagah spielt nicht mit Israelis

Die Meldung war lakonisch:

“Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montagabend mitteilte, bat der Profi [Dejagah] des VfL Wolfsburg DFB-Trainer Dieter Eilts, ‘aus persönlichen Gründen’ nicht für das Länderspiel am 12. Oktober 2007 in Israel berücksichtigt zu werden. Diese persönliche Begründung wurde durch den Trainer akzeptiert.”
(Quelle: u.a. FOCUS Online vom 08.10.2007)

Dazu muss man wissen, dass der Mann mit der merkwürdigen Kopfform ein in Berlin aufgewachsener Deutsch-Iraner oder Iran-Deutscher ist und auch Pässe beider Staaten besitzt. Zudem ist Aschi, wie ihn Freunde nennen, auf dem Papier Moslem der Geschmacksrichtung Schiit. Sein Bruder Ardeshir Dejagah spielt übrigens als Profi bei Paykan Teheran, einem weniger erfolgreichen Club, der in der vergangenen Saison in die erste iranische Liga aufgestiegen ist. Außerdem lebt mehr als die Hälfte des Dejagah-Clans in der unter der Leitung des leicht irren Ahmadinedschad stehenden Islamischen Republik Iran. Bekannt ist hinlänglich der ausgeprägte Judenhass von Republiklenker und weiten Teilen des Klerus, sowie das fortgesetzte Leugnen des Holocaust durch den Fußball-Fan Ahmadinedschad. Ob sich eine der wirren Reden des kleinen Mannes tatsächlich so übersetzen lässt, dass er den Staat Israel von der Weltkarte putzen will, ist umstritten. Dass aber sein Hass auf die Juden und ihren Staat soweit geht, dass Perser, die Israel bereisen, regelmäßig mit dem Entzug der iranischen Staatsbürgerschaft und Schlimmeren bestraft werden, ist aktenkundig. Soweit die Rahmenbedingungen, unter denen Aschi seine Bereitschaft, in Israel für Deutschland aufzulaufen, gekündigt hat.

Pawlowesk reagiert der Zentralrat der Juden in Deutschland in Gestalt von Frau Knobloch den Ausschluss des Kickers aus der U21-Nationalmannschaft – übrigens nicht per Pressemeldung… Sie geht davon aus, dass der Fußballer mit dem Hang zum Hip-Hop nicht aus “persönlichen”, sondern aus religiösen und damit politischen Gründen nicht mit Israelis spielen will. Damit unterstellt die gute Frau, dass Dejagah glühender Schiit, Jünger von Ahmadinedschad und somit automatisch fanatischer Judenhasser ist. Ganz ohne je mit ihm direkt gesprochen zu haben. Das ist ungeheuerlich. Zumal man sich ausmalen kann, was dem Bruder und der Familie von Dejagah im Iran droht, wenn Aschi tatsächlich am 12. Oktober in Tel Aviv auflaufen würde. Politisch unklug ist das Statement des Zentralrats der Juden ohnehin, weil es gerade im Kreise der Fußballfreunde jedes vorstellbare antisemitische Ressentiment aufleben lässt. Ein Großteil der Deutschen im Alter der “Gnade der späten Geburt” denkt bekanntlich: Irgendwann muss Schluss sein mit der Vergangenheitsbewältigung! Dass die Vergangenheit gerade im Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel in der praktischen Beziehung gut verarbeitet scheint und der Staat Israel nun überhaupt nicht die Kraft ist, die “den Deutschen” a) permanent ein schlechtes Gewissen einreden und b) “Reparationszahlungen” abzocken will, das wird von den Neofaschisten gern geleugnet. Wer also auf das aller Wahrscheinlichkeit nach familiäre Problem des Aschi Dejagah reagiert wie Frau Knobloch, spielt den Nazis in die Karten und damit letzlich auch dem bekloppten Perser-Chef.


[ von Rainersacht um 14:57 in diewelt, fussball ] [ 0766 x gelesen ] [ es wurde 1x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 1x was dazu gesacht

  1. Was ist das denn für eine Logik? Da fühlt sich ein Deutsch-Iraner durch seinen von Antisemiten geführten Heimatstaat erpresst und sagt deswegen die Teilnahme an einem Länderspiel in Israel ab – und wer das kritisiert, spielt den Nazis in die Karten? Seit wann ist es denn richtig, seine Meinung nur deshalb nicht mehr zu sagen, weil irgendwelche Idioten darauf idiotisch reagieren könnten?

    [ gesachtes von vonWegen am 11.10.2007 um 18:34  ]

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