gesachtes vom 10.10.2007

Eva Herman hat Recht

Na ja, nicht so ganz, also, was die Autobahnen angeht… Jedenfalls kann jemand, der vom Putenwurstkomiker mit einem fröhlichen Lächeln aus der Sendung geworfen wird, nicht voll daneben liegen. Evchen ist einfach ein bisschen, sammerma, unklug und/oder ungebildet oder irgendwas mit “un-”. Im Geschichtsunterricht wird sie oft gefehlt haben, vielleicht hat sie sich ja auch seinerzeit davon befreien lassen wir Kopftuchträgerinnen heute vom Schwimmunterricht. Der Kerner, der in diesem Fach maximal ein halbe Note besser abgeschnitten hat, durfte seine Inszenierung an der Frau mit den engen Nasenflügeln voll durchziehen und so einen Medien-Coup liefern, der ihm sicher noch besser notierte Werbeverträge – dieses Mal vielleicht nicht für Aktenabsturzgeierfluglinien – einbringen wird.

Die Hinrichtung von Frau Herman wurde mit unfairen Mitteln geführt und krass an der Sache vorbei. Was die bekannte Sozenschnatze S.Berger, die notorische Heulsuse M.Schreinemakers und vor allem den Stammtischwitzler M.Barth qualifiziert, an einer Debatte über Familienwerte gestern, heute und morgen aktiv teilnehmen zu dürfen, muss mir auch erstmal jemand erklären. So schön die Berger, so gut als Schauspielerin, so massiv ist sie angefüllt mit altspezialdemokratischen Plattitüden, die schon Mitte der Achtziger jeden Peinlichkeitsorden verdient hätten. Und über die immanente Hysterie von Frau Schreinemakers, die völlig substanzfrei vor jeder Kamera krampfhaft die Pose der Gutmenschlichkeit sucht, muss man nicht reden. Bleibt dieser Mario Barth, dieser so genannte Comedian, der jede Trittleiter zum Erfolg – die Nähe zu Thomas Hermannsens Quatsch Comedy Club (Allein der Name!!!) eingeschlossen – gesucht und belatscht hat, um sich anschließend monothematisch am Mann-Frau-Thema abzuarbeiten, wobei ihm selbst Anleihen beim Witzegott Fips Asmussen nicht peinlich sind. Dass dieser Typ eine riesengroße Mogelpackung ist, zeigte sein Auftritt in der NDR-Talkshow vergangene Woche, wo ihm immer dann, wenn er nicht ahnte, dass er bekamerat wurde, ein dermaßen kaltes Taxieren der Runde entglitt, dass einem ganz schummerig wurde. Was der zum Thema Familie zu sagen haben könnte, ist nicht mal zu erahnen. Dass er aber sein strunzdummes Zeuch in CD-, DVD- und Buchform gern unters Volk talkt, ist so notorisch wie widerwärtig.

Reden wir nicht davon, dass Evchen a) ebenfalls strunzdummes Zeuch in die Öffentlichkeit geplärrt hat, dass sie b) verstockt ist wie ein Mädchen am Anfang der Pubertät und c) sich in der Opferrolle ziemlich gut gefällt. Reden wir davon, dass das Vermöbeln von Evchen mit der Nazikeule zum größten Teil nur übelste Heuchelei staatsbekannter Pharisäer ist. Suchen wir die Wahrheit im verschwiemelten Output der ehemaligen TV-Ikone. Sie klagt darüber, dass die Werte Liebe, Familie und Kinder heute nichts mehr gelten. Dem kann man ja erstmal zustimmen, ohne gleich zum Mixa-Fan oder Mutterkreuz-Afficionado zu werden. Tatsächlich sehen wir gerade in dem Teil der Bevölkerung, den Vollzyniker wie dieser Schmidt gern als “Unterschicht” denunzieren, Kinder verwahrlosen, Familien sich atomisieren und Liebe durch Pornosex ersetzt wird. Das ist furchtbar, gefährlich, nicht hinzunehmen, unerträglich. Da aber eine Eva Herman zu mehr als einem Medienblick auf die gesellschaftliche Lage nicht fähig ist (Oder kann man sich die Blonde bei der Feldrecherche in Marzahn vorstellen? Oder bei der Diskussion mit Hartz-IV-Müttern?), sieht sie das Problem woanders: In der Mittel- und Oberschicht. Wo sich Familien darüber streiten, ob Mutti nach der Kinderproduktion wieder Geld verdienen soll, damit der Zweiturlaub drin ist. Sie sieht das Problem am falschen Ort. Ob sich die bourgeoisen Familien durch die Folgen ihrer asozialen Gier zerlegen, geht mir persönlich voll am Arsch vorbei. Evchen macht da ein gesellschaftliches Kernproblem draus, indem sie behauptet, schuldig seinen “die Achtundsechziger” (die ja Unservolk ähnlich aus heiterem Himmel und grundlos überfallen haben wie weiland die nationalsozialistischen Aliens…), dass die Frauen sich mit der biologisch angestammten Rolle als Hausfrauundmutter nicht mehr zufrieden geben, sondern Karriere machen wollen müssen.

Dieser Schluss ist auf geradezu absurde Weise falsch. Jede Frau, die zwischen 1967 und 1977 alt genug war (Evchen nicht!), sich im antibürgerlichen Umfeld aufgehalten hat und mit Männer zu tun haben musste, für die eine Revolution der Überorgasmus gewesen wäre, weiß davon zu berichten, in welchem Maße ausgerechnet die so genannten “68er” an der ganz praktischen Verdrückung der Frau in die WG-Küche und die antiautoritäre Kita gearbeitet haben. Hinzu kam die Rolle der Frau als Kampfgefährtin, die dem Genossen am Ende der Schlacht das Tränengas auswaschen und die Platzwunden verpflastern durfte. Die Emanzipation der Frau lief woanders ab. Zum Beispiel in Aktionen wie die des Stern gegen den §218 (”Ich habe abgetrieben”) oder durch die Einmischung von Frauen mit Frauenthemen und -positionen in die Politik der Parteien – die sich gründenden Grünen der späten Siebziger inklusive.

Nein, es ging dabei nicht vordergründig um die Berufstätigkeit der Damen zum Zwecke der Geldbeschaffung. Es ging um die gerechte Verteilung der Lasten. Familie sollte nicht mehr sein Papa-Mama-Kinder, und Papa geht Geldverdienen, während Mama die Scheiße wegmacht und für Atzung sorgt. Nicht um die Frau damit frei zu machen fürs zusätzliche Geldverdienen, sondern um auch weiblichen Wesen ein Mindestmaß an selbstbestimmter Entfaltung ihrer Begabungen zu ermöglichen. Allein, die gesamtgesellschaftlichen und vor allem die ökonomischen Bedingungen waren nicht so. Im Zuge der verschärften Ausbeutung (Ja, dieses Wort hier mit voller Absicht gebraucht!) wurden Männer und Frauen rasch zu Konkurrenten um denselben Arbeitsplatz, was dazu führte, dass die männerbestimmte Gesellschaft die ökonomische Befreiung der Frau zu unterbinden trachtete.

Tatsächlich aber sickerten Frauen zunehmend ins Berufsleben. Allein, die Bedingungen dafür, dass dies nicht auf Kosten der Kinder ginge, waren (und sind) nicht so. Das hat nichts mit einem irgendwie vom Himmel gefallenen bzw. von den Links-Aliens infiltriertem Werteverlust zu tun, sondern mit dem Sieg des entfesselten Turbokapitalismusses, der nicht das Glück der Menschen anstrebt, sondern deren Funktionalisierung als mehrwertschaffende Konsumenten zum Zwecke der Profitmaximierung. Die berufstätige Frau passt diesem menschenfeindlichen System bestens in den Kram, weil sie ebenfalls Mehrwert schafft und vor allem konsumiert. Nein, die Werte Liebe, Familie und Kinder sind den Menschen nicht verloren gegangen, sondern ausgetrieben worden. Das ist furchtbar, gefährlich, nicht hinzunehmen, unerträglich. Aus der Erkenntnis heraus, dass diese Werte nichts mehr gelten, ein Rückkehr der Frau an den Herd zu fordern, ist alles in allem eher blauäugig als brisant, um nicht zu sagen: strunzdumm.

Als Argument anzuführen (ob nun aus Strunzdummheit, Geschichtsarmut oder Überzeugung ist unerheblich), dass Familienwerte in den Zeiten des deutschen Faschismusses noch was gegolten haben, geht sowas von nicht, dass es natürlich ultraleicht für die halbgebildeten Gutmenschnachläufer ist, Evchen fertigzumachen. So wird Frau Herman zur Ikone, die für unsere Sünden gewatscht wird. Das steht ihr gut, davon hat aber niemand etwas, der eine ernsthafte Diskussion über die moralische Verelendung der Massen führen will. Diese wird vom Medienzirkus rund um die Dame nur verschleiert.


[ von Rainersacht um 13:11 in diewelt ] [ 01583 x gelesen ] [ es wurde 7x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 7x was dazu gesacht

  1. Und was soll das jetzt?

    Darf Kritik an dem dumm-braunen Geseiere von Eva B…Hermann nur von waschechten Grünen der ersten Stunde geäußert werden und alle anderen – insbesondere Wer-hat-uns-verraten-Sozialdemokraten – müssen ihr Maul halten, weil es bei ihnen ja nur gutmenschliche Plattitüden sind?

    Wenn ich jemals Heuchler erlebt habe, dann Grüne…Bevorzugt von der Sorte doppelverdienendes Oberstudienratsehepaar (kinderlos) mit günstiger 5-Zimmer-Jugendstil-Wohnung (saniert), die – fußläufig von ihrer Wirkungsstätte entfernt wohnend – vehement das Verbot des Individualverkehrs (vulgo: Auto) fordern (alternativ: Abschaffung aller Parkplätze in Städten, Erhöhung des Benzinpreises auf mindestens 5 EUR). Schließlich fahren diese Helden der Arbeit ja zum Wohle der Umwlt auch mit dem Fahrrad zu Arbeit…also um 8 Uhr hin und spätestens um 13:45 Uhr zurück. Sollen die Idioten – sorry…Unterschichtler…sorry: Arbeitnehmer, die wegen ihrer erwiesenen Unfähigkeit für den höheren Schuldienst halt um 7 Uhr auffe Maloche sein müssen (und mit dem ach so feinen ÖPNV locker mal eben ‘ne Stunde hin und ‘ne Stunde zurück in ihre 60 qm-Sozialbau-Butze benötigen), doch auch mal ein Opfer für die Umwelt bringen (insbesondere, wenn sie auch noch SPD-Wähler sind, hehe).

    So in der Art?

    Also mir ist es egal, ob JBK nur wegen eventueller Quotengeilheit die braune Bratze dahinschlachtet oder nicht – das Ergebnis stimmt! Und auch wenn Frau Sch. und Mario B. nicht unbedingt meine persönlichen Sympathieträger Nr. 1 sind – ihre Ablehnung der Thesen des Führer…äh Eva-Prinzips macht sie mir zumindest ein bißchen sympathischer…

    Grummelend,

    Tommy

    [ gesachtes von Tommy_99 am 10.10.2007 um 17:59  ]

  2. Eva Herman ist keine Nazi, das ist Unsinn.

    Ich müsste ihre Bücher lesen, um zu wissen, was sie tatsächlich will. Ich glaube aber, sie einigermassen verstanden zu haben. Nämlich, dass Frauen die Wahl haben sollten zuhause bei den Kindern zu bleiben, wenn sie das wollen. Finanziert durch eine Art Erziehungsgeld (anstatt Krippenplätze zu fördern, wie Frau von der Leyen das macht). Tatsächlich haben die meisten Frauen diese Wahl nicht. Sie sind gezwungen, den Alltag mit Kindern und Beruf irgendwie zu stemmen. Auch die Männer übrigens. Oder es eben bleibenzulassen.

    Die Rahmenbedingungen für Familien sind wirklich nicht so gut, wie sie sein könnten. In anderen Ländern klappt das besser.

    Die Überalterung der Gesellschaft ist allerdings schon ein Problem, wie überhaupt die Überbevölkerung. Ob mehr Kinder die Lösung sind, wage ich zu bezweifeln.

    Es muss noch was anderes geben als nur die Wahl zwischen Outsourcing von Kindern und Alten und der restlosen Aufopferung von Frauen für die Familie.

    [ gesachtes von loreley am 10.10.2007 um 19:41  ]

  3. @Tommy: Jau, auch die so genannten “Grünen” neigen erheblich zur Bigotterie. Kein Wunder, sind sie doch nichts anderes als Sozen ohne Gewerkschaftsvergangenheit (mal historisch betrachtet).
    Gegen Evchens Gebrabbel zu sein, ist billige Münze. Auch nicht besser als Lettermans Schlachtung dieser Parishilton. Die ist doch offensichtlich wehrlos. Und das zur Quotenoptimierung zu missbrauchen, ist einfach nur so widerlich wie Fernsehn überhaupt sein kann.

    [ gesachtes von Rainersacht am 10.10.2007 um 21:00  ]

  4. @Rainer: Aber nur weil auch die – möglicherweise falschen – Leute gegen den geistigen Dünnpfiff der blonden Eva sind, wird dieser weder besser noch irgendwie nachvollziehbarer. Als “Medienprofi” sollte sie wissen, was sie sagt und wie es wirkt. Hier macht sich nicht ein Stefan Raab über eine dumm-schwätzende Rentnerin lustig, die man mit geschickten Fangfragen aufs Glatteis geführt hat…

    Und darf man braune Kacke nicht mehr braune Kacke nennen, weil der Idiot neben einem, der eh immer nur Unsinn von sich gibt, sagt: “braune Kacke!”?

    Die Motive eines Herrn JBK – dessen Sendungen ich mir nie im Leben anschauen würde – sind mir herzlich egal.

    Eva Herman trägt ihr Teil zu einer Relativierung und Verharmlosung des Faschismus bei; nur einen kleinen Teil, aber immerhin…denn wenn schon die ach so nette Eva H. sagt, dass nicht alles soooooooo übel war. Ja ja, wenn der Führer die Juden doch nur nach Madagaskar repatriiert hätte, dann hätten heute alle in Europa unseren tollen Autobahnen (die hat nämlich der Addi erfunden, jawoll!), alle sprächen unsere schöne toitsche Sprache und nicht dieses doofe Denglisch!

    Und alle deutschen Männer hätten Arbeit und die deutschen Frauen könnten – nachdem sie ihren Apfelkuchen gebacken hätten – ungefährdet abends noch ein Stündchen auf die Straße gehen…

    Und widerlicher als Fersehn (Tipp: Ausschaltknopf) ist Faschismus allemal (nicht nur wegen des fehlenden Ausschaltknopfes).

    Tommy

    [ gesachtes von Tommy_99 am 10.10.2007 um 22:24  ]

  5. Ich hinterfrage: Ist die von Evchen in voller Blondheit geplärrte “braune Kacke” die Essenz dessen, was sie propagiert? Ist sie in ihrer Dummdreistigkeit einfach nur die denkbar schlümmste Vertreterin einer Meinung, die diskussionswürdig ist? Hat sie nicht Recht mit der Aussage, dass die Werte Liebe, Familie und Kinder nichts mehr gelten? Ist das nicht beklagenswert?

    Ja, das ist das Dilemma, dass ausgerechnet diese hirnarme Schnatze durch die Medien getrieben wird und dort – da stimme ich uneingeschränkt zu – massiv zur Verharmlosung des Faschismus beiträgt. Ja, genau das ist genau jetzt gefährlich, wo “War doch nicht alles schlecht unter Adolf” wieder mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Und dass da angeblich die widerliche Quotengeilheit von Kernerbeckmann mit ihren Bauchladengästen gegenhalten soll, das mag ich einfach nicht hinnehmen und schon gar nicht glauben.

    [ gesachtes von Rainersacht am 10.10.2007 um 22:37  ]

  6. [...] völlig unkritischen staatstragenden antibolschewistischen Medien bis hin zu unabhängigen Journalisten und Bloggern quer durch das ganze politische Meinungsspektrum. Mein Parteibuch hat jedoch Zweifel [...]

  7. hirnlos ist genau die korrekte bezeichnung für jemanden der gesellschaftspolitische leitthemen eines faschistischen regime propagiert ohne deren motivation zu hinterfragen. diente die hitlersche familienpolitik nicht der zucht einer arischen rasse? dienten die gebauten autobahnen, deren “erfindung” sicherlich nicht auf den postkartenzeichner aus österreich zurückgeht, nicht den geplanten truppenbewegungen? jeder der auch nur ansatzweise sogenannte errungenschaften des 3. reiches als erhaltenswert bezeichnet muss sich gefallen lassen, das er als braun bezeichnet wird denn es enspricht der wirklichkeit.

    [ gesachtes von yallamann am 20.10.2007 um 09:40  ]

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