
“Gut zwei Wochen vor dem Start seiner längeren Late-Night-Show mit Co-Moderator Oliver Pocher plant Harald Schmidt bereits das Ende seiner Fernsehkarriere.”
(Quelle: AFP am 08.10.2007)
Aus verständlichen Gründen habe ich mich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, dass Harald Schmidt ausgerechnet diesen Pocher, das ************, das immer so aussieht, als würde ihm eine Sabberspur aus dem Mundwinkel laufen, zum Nachfolger erkoren hat. Nimmt man die über Jahre öffentlich vorgeführte Deformierung des ehemaligen Organisten und Kabarettisten zum zügellosen Vollzyniker als Ausgangspunkt, dann kann man diesen Schritt nur als das finale Legen eines Kuckuckseis verstehen, mit dem sich der ewige Letterman-Epigone an uns, die wir immer noch Fernsehn gucken, rächen will für unsere ehemalige Begeisterung. Wie anders als satirisch soll man denn die Schmidt’sche Äußerung verstehen, Pocher sei “hochtalentiert und der Einzige, der eine Late-Night-Karriere starten könnte“? Man stelle sich den Schmidt-Nachfolger mal an einem Tisch mit dem Schmidt-Vorbild vor? Würde Pocher weinen wie Paris Hilton, wenn Letterman ihn mit einem hasenzähnigen Grinsen an seinen nicht zu übersehenden Defiziten packt?
Überhaupt: In welcher Hinsicht Schmidt Pocher für hochtalentiert hält, bleibt zum Glück offen – vermutlich würde der lustlose Latenighter, der sich einen Äff-Zeh-Fan als Haustier hält, sonst mehrere Beleidigungsklagen aus dem Hause P. fürchten müssen. Und was, bitteschön, ist denn in Zeiten von Triple-Play, IPTV und DVD-Rekordern mit Timeshift-Funktion unter einer Latenight-Karriere zu verstehen? Latenight ist doch mittlerweile, wenn Dumpfbratzen und Ethikallergiker mit Gästen reden, die was zu promoten haben, und maximal eine Million traditionsbewusster Fernsehempfänger hat vergessen abzuschalten. Vielleicht aber ist Schmidts Lobhudelei auf den Zeugensohn aus der niedersächsischen Taiga ja auch ein perfekt getarnter Versuch, diesen medial hinzurichten. Das würde der latenten Perfidie des Mannes, der lieber Theaterschauspieler wäre, wozu es bisher ja nicht gereicht hat, am ehesten entsprechen.
Über den Frust und den Überdruss des Langen aus Nürtingen (Ein Ortsname, der sich anhört, als würde man beim Aussprechen gewürgt…) spricht sein Interview in der ZEIT (leider nicht in voller Länge online) Bände. Es ist ein Dokument des vollkommenen Scheiterns. Schmidt sehnt sich nach dem Theater, ja, eigentlich nur nach dem Staatstheater Stuttgart, wo er Schauspieler werden wollte, was ihm nicht gelang. Dass alles anders gekommen ist und er eine Rundreise durch die deutsche Fernsehunterhaltung antreten musste, hat ihm anscheinend ein heftiges Trauma zugefügt, an dem er sich seit Jahren mehr oder weniger offen und öffentlich abarbeitet. Wie Hendrik Höfgen im Film “Mephisto” ist er in einem System, das er immer auf die eine oder andere Art desavouiert hat, berühmt und reich geworden. Jetzt ist er berühmt und reich … und tief frustriert. Das versucht er durch vorgespielte Lässigkeit und eine Spur von Altersweisheit zu übertünchen. “Hat sich eigentlich alles nicht gelohnt. Das fand ich total entspannend”, sagt er, und das hört sich an, als gäbe er den Existenzialisten, der glücklich ist, weil er Erkenntnis gewonnen hat – eine weitere Rolle im Schmidt’schen Repertoire.
Aber wer soll dem katholischen Schwaben Schmidt das abnehmen? Außer den üblichen Feuilletonisten, die ihn umschmeicheln und überhöhen, weil sie meinen, dass es mutig wäre, das Medium Fernsehen so zu sagen von innen auszuhöhlen. Das ist ja geradezu ein Trend der Kulturschreiber, jeden zu bejubeln, der das Fernsehen mit den Methoden des Fernsehens der Lächerlichkeit preisgibt- das macht auch einen Teil des Feuilletonruhms von Hape Kerkeling aus. Sie vergessen gern, dass es bei TV-Unterhaltung immer auch um richtig fette Kohle geht. Dass weder ein Schmidt, noch ein Kerkeling und schon gar keiner dieser Comedy-Schleimscheißer wirklich die Hand beißen würde, die ihn füttert. In diesem Sinne hat Schmidt sehr früh begonnen, sich eigene Produktionsmittel zu verschaffen, um von der sauren Milch der Fernsehunterhaltung den fetten Rahm abzuschöpfen. Jetzt wo er finanziell in einem Maße gesichert ist wie nur wenige aus der Branche (…höchstens Jauch und Gottschalk spielen da in derselben Liga), kann er auf die Glotze scheißen. Das ist der wahre Zynismus des Herrn Schmidt, das ist auf eine Weise verlogen, dass man sich rückwirkend für jeden eigenen Lacher und Grinser beim Betracher einer Schmidt-Darbietung schämen mag.
Klar wird er jetzt Jobs auf den Brettern, die ihm die Welt hätten bedeuten können, bekommen. Sicher werden auch renommierte Regisseure und Theatermacher ihre Produktionen gern mit dem TV-Aussteiger schmücken. Ob sie das aber tun, weil der Herr Schmidt ein brauchbarer Schauspieler ist, darf bezweifelt werden. Wobei: There’s always hope. Kann ja sein, dass unser Berufszyniker mit wachsendem Lebensalter die Kurve kriegt, dass er gut alt wird und dass er aus der Liebe zum Theater und dem vorhandenen Talent etwas Positives schafft. Kann sein, muss aber nicht.


Schmidt hat doch schon lange seinen Zenit überschritten, selbst seine Fans haben sein Comeback nicht lange goutiert. So fand sich kaum noch ein Scheißhaufen, der genug spritzte, wenn er draufhaut. Die einzige Chance, die er hatte, war sich so eine Schillerfigur wie Pochert zu angeln, die er grinsend als seinen Nachfolger präsentieren kann – die Aufmerksamkeit ist ihm auf jeden Fall sicher, und alles andere interessiert ihn doch nicht mehr (so wie uns Schmidt nicht mehr interessiert).
[ gesachtes von Thomas J. am 08.10.2007 um 18:58 ]
[...] bin ich mit folgender Suada , seltsam angetan von einem Snaperazzi und gelinde irritiert von dieser [...]
[ pingback von whistleblog.net » Einverstanden… am 11.10.2007 um 15:35 ]
[...] whistleblog.net zu: Hau doch ab, Schmidt [...]
[ pingback von Rainer sacht » Bin doch nicht blöd am 26.10.2007 um 12:06 ]