Die Frau mit den durchsichtigen Moderationskarten und der falschen Betonung hat sich virtuell geklont. Ja, wirklich: Tita von Hardenberg, die in der schwer uninteressanten Fernsehsendung Polylux, die immer so einen Hauch Leo transportiert und voll Berlin, also futuretrendy war und ist, ohnehin immer agierte wie ihr eigener Avatar, hat für den RBB ein Feature zu – aufgepasst! – Second Life produziert, dass so eben versendet wurde. Unter dem mega-originellen Titel “Mein virtueller Zwilling” befasst sie sich mit dem virtuellen Pyramidenspiel und lässt wieder reihenweise Leute zu Wort kommen, die meinen, SL wäre erst der Anfang und das Internet würde über kurz oder lang zwangsläufig dreidimensional. Dieser Meinung ist auch Christoph Lattemann, Juniorprofessur für Corporate Governance und E-Commerce an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, auf den Seiten des Börsenblattes des deutschen Buchandels. Wir nehmen dem Jungprof nicht übel, dass er sich so auslässt, denn irgendwie muss er ja seine Jungprofessur rechtfertigen. Lassen wir ihn mit einem Zitat höchstpersönlich gegen die Wand laufen:
“Ich denke, virtuelle Welten stehen heute vor einer Entwicklung, wie das Internet 1994. Auch der Nutzer muss erst lernen, mit den neuen Möglichkeiten umzugehen. Drei-dimensionale, animierte Welten werden in Zukunft das Internet deutlich beeinflussen und prägen.
(Quelle: Börsenblatt Online vom 15.11.2007)
Lieber junger Freund, der Nutzer muss garnix lernen, nur um irgendwelche schrägen Geschäftsmodelle und Profilierungsthemen zu fördern. Auch das Internet hat der Nutzer nicht lernen müssen, sondern können. Der Unterschied zwischen dem Web anno 1994 und dem 3D-Net der Zukunft besteht darin, dass seinerzeit keine windigen Berater die Menschen durch den Aufbau eines Medienhypes in unseriöse Geschäftswelten gequatscht haben, dass es nicht mal einen Medienhype gegeben hat. Und dass damals niemand den Nutzern gesagt hat, was sie lernen müssen. Das Internet der ersten Phase bot zwar Möglichkeiten, aber die Nutzung derselben haben die Nutzer selbst erschaffen – u.a. gegen den Willen von Herrn Gates & Konsorten. Das Web war vor der umfassenden Kommerzialisierung ein kreatives Feld, frei und chaotisch, kein Geschäftsmodell. Sie betreiben hier Geschichtsfälschung, Herr Jungprofessor Lattemann.
Kommen wir von dieser Ebene herunter. Sie mögen aus nachvollziehbaren Gründen glauben, dass 3D-”Welten” das Internet in Zukunft deutlich beeinflussen und prägen wird. Das dahinter steckende Argument, dass der Mensch der möglichst perfekten Simulation seiner Realwelt zustrebt, ist nicht mehr als ein Axiom, auf dem Sie und Ihresgleichen ganze Futuretrends aufbauen. Ich behaupte das Gegenteil: Der Mensch ist in der Lage (und willens), das Dreidimensionale, das ist und das er sich vorstellen kann, in der zweidimensionalen Projektion aufzufassen, zu begreifen, zu genießen, zu gestalten und zu bedienen. Sonst hätte ja irgendwann die Bildhauerei die Malerei deutlich beeinflusst und geprägt. Den Transformator zwischen der dreidimensionalen Realität und der zweidimensionalen Projektion nennt man Phantasie. Er ähnelt dem Mechanismus, der es uns möglich macht, Gelesenes nachzuerleben.
Beiden, der zwei- wie auch der dreidimensionalen Abbildung mangelt es an der Stimulation der Sinne. Die Wahrnehmung wird in beiden Fällen auf Auge und Ohr reduziert. Wenn also die Überlegenheit des Dreidimensionalen über das Zweidimensionale postuliert wird, dann kann dies nur mit dem Gedanken im Hinterkopf geschehen, das Betreten einer projizierten Realität und das intuitive Sichbewegen in ihr seien Ziel der Nutzerwünsche. Was lässt sie das glauben? Wo sind die Feldforschungen dazu? Die Propheten des 3D-Internets behaupten immer nur, und sie sind alle letztlich im eigenen Interesse unterwegs. Das macht mich mehr als skeptisch.


der tita muss man immer zu gute halten, dass sie aus ner schwarzbrenner dynastie kommt. ich denk mal, dass der ständige alkoholdunst nich so gut für kleine mädchen ist.
besonders schön fand ich den abschlusskommentar von titt(e)a nach dem motto: wir haben die virtuelle welt noch im griff aber was ist mit unseren kindern?
DENKT DOCH MAL AN UNSERE KINDER! *gnihihi*
[ gesachtes von yallamann am 20.11.2007 um 14:18 ]