Natürlich kriegt es keines der Medien hin, über die Erschießung des Stadion-DJ des AS Roma sachlich und wahrheitsgemäß zu berichten. Anfangs hieß es noch im Scheißblatt, “Hooligans” seien auf einer Raststätte ausgerastet, später war dann von einer Prügelei die Rede. Inzwischen steht – besonders, wenn man italienische Quellen, die nicht der Berlusconi-Mafia zuzurechnen sind, auswertet – fest, dass Gabriele Sandri in seinem Auto saß, während er auf dem Parkplatz der Raststätte bei Arezzo stand. Hier eine möglicherweise verlässliche Rekonstruktion des Geschehens:
“Im Gespräch mit der Zeitung rekonstruierten die Kollegen des Schützen den Hergang auf dem Autobahnrastplatz Badia al Pino. Demnach waren sie auf der Westseite des Rastplatzes auf Streifenfahrt, als sie auf der gegenüberliegenden Ostseite eine Prügelei zwischen den Insassen zweier Fahrzeuge beobachteten. Nachdem sie über Funk Verstärkung gerufen hätten, habe einer der Polizisten aus einer Entfernung von fast 200 Meter einen Warnschuss abgegeben. Daraufhin seien die Personen in ihren Autos losgefahren.
Um zumindest einen Wagentyp oder das Nummernschild zu erkennen, sei der Kollege mit der Waffe in der Hand hinter den Autos hergelaufen. Dabei habe sich der Schuss gelöst, der unter Umständen noch abgeprallt sei und den 26-jährigen Lazio-Fan dann im Auto getroffen habe.”
(Quelle: Stern.de vom 12.11.2007)
Für die Schurnallje sind die Aufstände der Ultras in den Städten natürlich ein gefundenes Fressen. Schmierfinken, die zu dumm und/oder faul zum Recherchieren sind, schwafeln von “Hooligans” und “Randale”. Dabei ist es nicht schwer, sich über die Ultra-Kultur in Italien schlau zu machen, denn es gibt die hervorragenden Reportagen (und Bücher) von Birgit Schönau und das Buch von Tim Parks über seine Saison mit den Verona-Ultras. Wer italienisch kann, dem ist die Website des TIFO-net eine wichtige Quelle; die ist ürbigens heute (siehe Screenshot) wegen der Trauer über die Erschießungs Gabrieles geschlossen. Verschiedene italienische Webseiten zum Thema bieten auch englische Texte an. Das alles schert die Schreiberlinge wenig.
So weiß wohl keine der Arschgeigen, die sich jetzt zu den Vorfällen äußern, dass nach der Ermordung des Polizisten im Januar in Catania Tausende italienischer Bullen Rache an den Ultras geschworen haben. Angeblich sollen sogar Todeslisten kursiert haben, in denen prominente Vertreter der Ultras benannt wurden. Außerdem wurden nicht nur die Gesetze verschärft, sondern Ultras aller Vereinen massivst schikaniert (Hausdurchsuchungen, Personenkontrollen alle zwei Kilometer etc pp). Ich hab’s hier ja schon mal geschrieben: Gewalt geht nur von einem kleinen Teil der Ultra-Szene aus, und zwar speziell von dem Teil, der dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist und auf die eine oder andere Weise von den jeweiligen Verantwortlichen der Vereine gedeckt oder toleriert wird. Auch die Polizei – gerade in Rom – ist gegen die Faschisten in den Stadien nur selten vorgegangen. Was jetzt stattfindet, ist ein Krieg, den die korrupten und mafiösen Typen im Verband, in den Vereinen und bei der Polizei zu verantworten haben.

