
Nenn mich Miesepeter und Nörgler, schimpf mich Spaßbremse und Spielverderber, aber seit heute hab ich schon den Kotzreiz in Bezug auf die UEFA-FuSSballeuropameisterschaft 2008 in den Ländern der Schluchtenscheißer im Hals. Nachdem die verkoksten Marktingfuzzeln von den Emotionen der saufenden und poppenden Party-People rund um die WM 2006 (Man erinnere sich: Es ging um die Frage, welches Land den Titel des FIFA-FuSSballweltmeisters erringt – man vergisst das ja leicht…) bisschen überrumpelt wurden und auf die Schnelle keine Methoden fanden, den euphorisierten Hormonbomben zusätzliche Kohle aus der Tasche zu ziehen, wollen sie’s zur EM 2008 richtig machen. Und damit fangen sie jetzt an.
Ich sehe förmlich die Typen mit den schwarzen Querbalkenbrillen in ihren schlechtsitzenden Hip-Anzügen an Kirschholzkonferenztischen sitzen und sich den/das Brain aus der Birne stormen. Wie, denkt es in ihnen, können wir eine neue Welle der patriotischen Euphorie erzeugen und zur Förderung des Absatzes von Sachen nutzen, die kein Mensch braucht oder sich leisten kann? Fußball, schwadroniert der eine, das ist Emotion pur. Und die Kollegen verziehen geekelt die Fratzen. Darum ging’s schon vor zwei Jahren nicht, sagt der Chefzyniker, der die Haare im Rock’n'Roll-Stil gegelt hat und den Fischgrätmantel nur äußerst selten ablegt. Party, quiekt die Praktikantin im siebten Lehrjahr, die grad überlegt, ob sie sich auch von den vorgesetzten Tussen vögeln lassen muss, um weiterzukommen, Party, darum geht’s! Der ausgebrannte und aufgedunsene Veteran mit den feisten Händchen patscht ihr auf den Schenkel und sagt: Fein, Fiona. Es erhebt sich der Intellektuelle, den man am Che-Guevara-T-Shirt unter dem Lacroix-Hemd erkennt. Er rupft den Brillenkasten von der Nase und spricht: Wir mössen beides bedienen, den patriotischen Schawung ond die Läbensfreude der jungen Menschen beim Papplick Fjuing. Man murmelt beifällig. Ech denke, sacht der Denker, wir mössen dem Konsementenen eine Legimitation gäben, dass sie für Doitschlan sein dörfen. Ganz onverkrampfd. Da betet sich das Prodokt Snickers zombiespiel an. Dieser Riegel verkörperet Genoss ohne Reue, sozesagen den schnällen Fick im Senne der Natzjohn. Es staunt in der Runde, und die Praktikantin versucht, die Schweißflosse unter ihrem Rock weg zu kriegen.
Heute fuhren zwei Kraftwagen mirnichtsdirnichts auf die Oberkasseler Rheinwiese. Es handelte sich um einen älteren Jeep Cherokee sowie einen dieser bescheuerten US-Van der neunziger Jahre. Der war bint bemalt und mit fetten Aufklebern versehen. Ich näherte mich vor Neugier. Auf der Motorhaube war ein Snickers-Riegel abgebildet. Die Karosse trug schwarz-rot-gelbe Farben, und der Slogan hieß ALLE MANN. Ob dadrunter “für Deutschland” stand, konnte ich wegen aufsteigender Übelkeit nicht erkennen, dafür aber den verweis auf die EM 2008. Ich sach euch: Es fängt schon wieder an… Rette sich, wer kann. Vor allem diejenigen, die den Fußball lieben.

