gesachtes vom 18.12.2007

[Upd.] Song-Quiz (26)

Der größte Fan dieser Band war vermutlich Charles Wilp (Super-Flower-Power-Popop-Cola), der gern ihre Musik für seine Spots gehabt hätte, was aber nicht klappte. Es gab sie nur knapp drei Jahre lang, sie waren ihrer Zeit weit voraus und sie haben sich 30 Jahre nach dem Ende wiedergefunden.

Wie heißt diese Band?

Kein Rechtsweg, no, no, no. Der Gewinner gewinnt Ruhm und Ehre.

Update: And the winnerin is: Loreley (die The Monks nach eigenem Bekunden schieße findet ;-) Trotzdem: Schönen Glückwunsch!

Die Geschichte der Monks ist sicher eine der verücktesten in der gesamten Geschichte der Rock-Musik. Da finden sich fünf GIs in Deutschland zusammen und machen ab 1964 Beat-Musik im Stile der Zeit. Dann kommen zwei deutsche Manager daher und kreieren daraus eine Band, die sich in so ziemlich allem vom üblichen Beatles-Nachahmquatsch abhebt und The Monks getauft wird. Die Musiker lassen sich Tonsuren rasieren, tragen schwarz und einen Strick anstelle der Krawatte. Ihre Musik ist roh, hart und für damalige Verhältnisse unglaublich laut (fast so laut wie Blue Cheer…). Statt dem angesagten britischen Understatement zeigen sie Emotionen. Damit müssen sie als Vorboten von Heavy Metal und Punk gesehen werden. Ihre Kompositionen sind aber wiederum mehr oder weniger serielle Abfolgen von Akkorden, etwas das man bei Kraftwerk und später im Techno wiederfindet. The Monks spielten zwei Jahre lang in sämtlichen kleinen und mittleren Städten Deutschlands – und die meisten Zuhörer hassten sie. Anfang 67 lösten sie sich auf. Einer der vielen Treppenwitze der Bandgeschichte ist die ausgefallene Asientournee: Einer der Jungs, der die Nase besonders voll hatte, erschien nicht zum Abflug, sondern zog es vor, zurück in die USA zu reisen.
Charles Wilp, der berühmte Werbefuzzi wollte Musik von Monks für seine Afri-Cola-Spots, aber nachdem die Auftraggeber Platten der Band gehört hatten, lehnten sie runderheraus ab. Dafür machte Wilp Fotos für das Cover der LP, die dann nie erschien. Völlig verrückt: Nachdem bereits ein Band-Mitglied verstorben war und ein weiteres zu einem der erfolgreichsten Square-Dancer(!!!) geworden war, gab es 1999 doch noch ein Revival in New York. Anwesend war alles, was im Punk, im Wave und in der Kunst einen Namen hatte. Das Publikum war völlig von den Socken. Es blieb bei einem einzigen Auftritt. Es kommt noch dicker. 2004 starb der Drummer, 2006 kam eine wunderbare Dokumentation über die Monks (die dieser Tage auf 3sat lief…) heraus, und in diesem Jahr gab es noch einmal eine Reunion, die in einem Konzert in Deutschland gipfelte.

Mir spukten die Monks jahrelang durchs Hirn. Ich hatte ihren Auftritt im Beat-Club im Jahr 1966 gesehen, und der hat mich massiv beeindruckt. Weil aber nichts nachkam, vergaß ich die Band. Bis ich vor ein paar Wochen mehr oder weniger zufällig auf das obige Youtube-Video stieß.


[ von Rainersacht um 16:00 in Song-Quiz ] [ 0619 x gelesen ] [ es wurde 13x was dazu gesacht ] [  ]

es wurde 13x was dazu gesacht

  1. velvet underground?

    [ gesachtes von kwilm am 18.12.2007 um 17:27  ]

  2. Ha! Sowas von eiskalt daneben… ;–))

    [ gesachtes von Rainersacht am 18.12.2007 um 18:30  ]

  3. Neu! ?

    [ gesachtes von Tommy_99 am 18.12.2007 um 19:00  ]

  4. Monks?

    [ gesachtes von loreley am 18.12.2007 um 19:48  ]

  5. The Monks. Ich finde die total Sch@sse.

    [ gesachtes von loreley am 18.12.2007 um 19:50  ]

  6. Yes, Loreley, es sind The Monks!

    [ gesachtes von Rainersacht am 18.12.2007 um 23:15  ]

  7. Von den Monks habe ich vor ein paar Wochen in der Kulturzeit gehört. Anlass war eine DVD über die Band. Wenn ich es richtig verstanden habe, waren 2 Manager die treibende Kraft. Die Bandmitglieder waren nur Ausführende. Also ein reines Kunstprodukt. Musikalisch unter aller Sau und optisch zum Weggucken.

    Mir kommt es so vor, als ob man die einem jetzt wieder andienen will. Jemand wittert ein Geschäft. Darum auch gleich der Dokumentarfilm auf 3sat, den ich mir geschenkt habe. In der SZ stand auch ein längerer Artikel, den ich auch nicht lesen wollte.

    Warum ich die Antwort wusste? Es war zufällig jemand in der Nähe, dem ich Deine Frage vorgelesen habe. Der wusste aber nicht einmal mehr, wo er das jetzt aufgeschnappt hatte.

    [ gesachtes von loreley am 19.12.2007 um 08:27  ]

  8. Mönsch, Loreley: Hätteste dir die Doku angeguckt, müsstest du jetzt nicht so negativ schreiben. Natürlich waren The Monks auch ein Kunstprodukt – wie fasst alle anderen Beat-Bands der Zeit auch. Nur dass sie eben in allem volle Kanne neben dem Mainstream lagen und daran scheiterten. Die Band-Mitglieder waren nicht “nur Ausführende”, sondern Musiker, die alles dafür taten, genau ihr Ding zu machen.

    Jetzt frage ich mich nur noch, wie du darauf kommst, dass da jemand ein Geschäft wittert? Womit? Mit einer TV-Doku? Na, weißte, da gibt’s aber bessere Möglichkeiten, Geschäft zu machen.

    [ gesachtes von Rainersacht am 19.12.2007 um 11:40  ]

  9. Warum sollte man sie sonst aus der Mottenkiste rausholen? Aber nichts für ungut.

    [ gesachtes von loreley am 19.12.2007 um 15:41  ]

  10. Na ja, weil The Monks in vieler Hinsicht ihrer Zeit weit voraus waren und deshalb in der Historie der Rock-und-Pop-Musik einen nicht unerheblichen Stellenwert haben – und weil’s einfach eine beispiellose Geschichte ist, was da mit den fünf Kerlen in mehr als vier Jahrzehnten abgegangen ist.

    Ich wüsste da auch noch so zwei drei Bands der sechziger Jahre, die man mal aus der Mottenkiste holen könnte, weil sie damals völlig falsch eingeschätzt wurden. Dazu mehr in einem der nächsten Song-Quizze ;–))

    [ gesachtes von Rainersacht am 19.12.2007 um 15:45  ]

  11. Du bist entschuldigt. Frühkindliche Prägung :P

    Vielleicht waren sie ja wirklich eine Art Vorläufer für Punk, Heavy Metal und Techno.

    Aber ich hatte durch den kurzen Bericht den Eindruck, dass sie eher Marionetten waren. Mit anderen Worten: Was sie gemacht haben, ist nicht auf ihrem Mist gewachsen. Und jetzt wo 2 schon tot sind, das Ganze wiederzubeleben, kommt mir unsinnig vor.

    Übrigens gibt es in der US-Amerikanischen Folk-Musik schon Anklänge an Punk. Und bei Bob Dylan. Man kann das wahrscheinlich bis nach Afrika zurückverfolgen.

    [ gesachtes von loreley am 19.12.2007 um 18:22  ]

  12. Ich habe mir jetzt sogar noch die Mühe gemacht, die SZ vom Wochenende aus dem Altpapier zu kramen, die unter dem Titel “Brave Zappler” – Die Monks und ihre Zeit in einem detailverliebten Portrait, u.a. schreibt.

    “Sie waren die Vorläufer von Techno”, sagt Wilp.

    Wenn man die Band in ihren frühen Tagen so sieht und hört, kann man sich das nur schwerlich vorstellen. Die wenigen bewegten Aufnahmen zeigen sie als brave Musiker, die ein bisschen zappeln. Mehr nicht. Nur wenige erkannten damals die künstlerischen Qualitäten der Formation. Zu wenige.

    [ gesachtes von loreley am 19.12.2007 um 19:19  ]

  13. Ja, wirklich schwer vorstellbar. Aber wenn man in Relation die stocksteifen Auftritte der britischen Beat-Bands von 1965 und 1966 sieht und deren beatles-konforme Musik, die tieffliegenden Texte, dann kriegt man eine Vorstellung davon, dass The Monks überhaupt nicht massenkompatibel waren und dass ihre Musik durchaus als experimentell bezeichnet werden kann.

    Übrigens: Die haben ja weder 1997 noch jetzt eine Reunion im Stile von Led Zeppelin, Police etc veranstaltet, sondern sich aus Jux und Dollerei zusammengefunden, um ein paar Mal vor kleiner Zuschauerzahl zu spielen. Um Geld geht’s da wohl eher nicht.

    [ gesachtes von Rainersacht am 19.12.2007 um 20:36  ]

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