gesachtes vom 05.03.2008

Asus lässt sich von Microsoft…

Mein EeePC
… (hier bitte das persönliche Lieblingswort für das Einführen einer männlichen Körperfortsetzung in eine dafür nicht vorgesehene Öffnung einfügen). Und die dummfaulen Journalisten applaudieren. Weil’s sie’s entweder nicht kapieren oder weder je mit einem EeePC GEARBEITET (Ja, liebe PR-Abschreiber, man nennt es arbeiten, wenn man sich Mühe gibt, sorgfältig recherchiert und anschließend was Wahres schreibt…), noch je ohne ihren MS-Müll auf eigenen Füßen gestanden haben. Man kann den Deal zwischen Asus und Microsoft auch korrekt wiedergeben. Worum geht’s? Da bringt die taiwanesische Bude Asus im vergangenen Herbst einen Kleincomputer namens EeePC auf den Markt, der 300 Ocken kostet, ein 7-Zoll-Display hat, gefechtsfähig knapp 900 Gramm wiegt, eine Solid State Disc im Bauch hat, auf der die Linux-Distribution Xandros samt 40 Anwendungen vorinstalliert ist sowie drei USB-Löcher und einen SD-Kartenschlitz. WLan ist auch mit drin, ne Webcam und ein eingebautes Mikro. Als ich davon hörte, verfiel ich in spontane Begeisterung, denn von einem solchen mobilen Gerät träume ich seit ca. 20 Jahren. Der Traum hat mich ne Menge Geld gekostet, denn unterwegs erwarb oder nutze ich Dinge wie den legendären Z88 von Sir Clive Sinclair (den ich von ihm persönlich anlässlich einer Messe in Birmingham 1986 kaufte…) Atari Portfolio, einen Amstrad-Organizer, den Apple Newton, diverse Palm Pilots und zuletzt einen 11-Zoll-Vaio von Sony (den übrigens fast acht Jahre lang mit relativ großem Vergnügen). Natürlich bestellte ich Ende November 2007 nicht nur einen schwarzen EeePC, nein, ich schlug dem Verlag meines Vertrauens auch vor, darüber ein Buch anzufertigen.

Mittendrin im Verfassen bin ich gerade. Und meine Begeisterung für das Gesamtkonzept des EeePC wächst – dank Linux. Auch wenn die Implementation an manchen Stellen etwas schlampig ist, bietet Xandros ein sehr stabiles, schnelles und vor allem stromsparendes Arbeiten. Ja, mein Winzling schafft mit ausgeschaltetem WLan rund sechs Stunden ohne Steckdose, beim Surfen per Drahtlosnetz sind es immer mehr als drei Stunden. Leider ist die Linux-Welt bevölkert von Freaks und Missionaren, die es dem Anfänger (”Newbie” oder eher abfällig “n00b”) schwer machen durch ihre Arroganz, Besserwisserei, Klugscheißerei und vor allem einem hermetisch-elitären Jargon. Dabei ist das alles nicht so schwer, wenn man das Linux-Konzept verstanden hat und sich an die seeligen DOS-Zeiten zurückerinnert. Lässt man sich als auf Linux ein, kann man an den EeePC anschließen, was man will – DVB-T-Fernseh per USB-Stick, GPS-Modul, iPod, Bluetooth-Dongle zur Verbindung mit dem Handy und was nicht alles. Kostenlose Anwendungen für jeden Zweck saugt man aus dem Netz. Installieren geht per Paketverwaltung, so dass nie was fehlt. Alles in allem gilt: Für den unbedarften Anwender ist der EeePC einfach nur zum Benutzen (Surfen, Mailen, Schreiben) da. Der erfahrene User macht aus seinem EeePC ein maßgeschneidertes System.

Soweit, sogut. Leider haben die Asusisten bereits am Anfang den Fehler gemacht, in der Bedienungsanleitung zu beschreiben, wie man Windows XP auf den Zwerg bekommt. Ja, das geht. Ja, das ist nicht schwer (hab’s grad gestern zu Recherchezwecken mehrfach gemacht). Aber: Es ist nicht sinnvoll.
a) Windows XP Home Edition SP2 lässt von den 4 GB auf der Solid State Disc (SSD – ein Flashspeicher) weniger als 1 GB Platz für Dokumente!
b) Das Hochfahren (unter Linux bei kaum 10 Sekunden) vervierfacht sich.
c) XP läuft flüssig, aber langsam; um das zu ändern, müss man massiv ins System greifen, Einstellungen verändern und versteckte(!) Dateien zuhauf löschen.
d) Der ständig im Hintergrund rödelnde Virenscanner (Sowas braucht man unter Linux nicht) belastet das System enorm.
e) XP ist ständig damit beschäftigt, Daten zwischen RAM und SSD hin und her zu schaufeln; das ist nicht gut für die Flash-Disk, denn die verschleißt durch Schreibvorgänge.
f) Die Akku-Verweildauer unter Windows beträgt knapp die Hälfte im Vergleich zur steckdosenlosen Zeit unter Linux.

Es gibt auch Vorteile. Da sind einmal die vielen Anwendungen für XP, die man ja illegal sowieso hat. Und – das größte Plus – es gibt für jedes erdenkliche Gerät passende Treiber. Das habe ich am Beispiel DVB-T festgestellt. Insgesamt drei USB-Stöcke für den Fernsehempfang habe ich getestet. Unter XP funktionierten alle auf Anhieb. Unter Xandros bekam ich einen (den von Asus;-) sofort zum Laufen, der Hauppage Win-TV Nova tat nach vielen Hacken auch, und der wunderschöne winzige Cynergy Piranha von Terratec wollte partout nicht erkannt werden.

Jetzt bietet Asus demnächst also den EeePC mit Windows XP an. Vorsichtshalber wohl im Modell mit mehr Ram (1 GB) und größerer SSD (8 oder 12 GB). Denn mit 512 MB Speicher und 4-GB-Flash-Disk ist das Arbeiten mit Windows nicht wirklich vergnüglich. Hach, denkt sich der Windows-Hirngewaschene, dann kauf ich mir so’n Teil, wenn da Windows drauf ist. Und der Kenner denkt, na, da werden die ja wohl hoffentlich eine spezielle, abgespeckte XP-Version gestrickt haben. Pustekuchen! Nach allem, was derzeit bekannt ist, wird es sich um die stinknormale XP-Home-SP3-Version handeln. Die beschriebenen Unzulänglichkeiten sind damit vorinstalliert.

Warum das Ganze? Die Microsoft’schen Motive liegen auf der Hand: Alles was Linux stoppt, ist gut für den Profit. Da tut man die XP-Lizent auch mal für null raus (denn wär das nicht so, müsste der XP-EeePC teurer sein als sein Linux-Brüderchen, was er nicht ist). Zweitens meint man damit eine Plattform gefunden zu haben, das unsägliche Windows Live (Schomma probiert?) in den Markt der unerfahrenen Anwender zu pressen, also gerade die Computerneulinge von vornherein zu, ähem, penetrieren, die gar nicht wissen, ob und wie gut ein Angebot ist. Dabei spielt übrigens auch T-Mobile eine Rolle, die a) den EeePC ab Ende März in den T-Punkten verticken werden (…wann folgt Tschibo?) und den Käufern b) 300 Freistunden Hotspot-Surfing spendieren werden. Dass man beim nach dem Einloggen an einem T-Hotspot direkt bei Windows Live landet, darauf kannst du einen lassen. Und Asus? Was hat Asus davon? Der Deal mit T-Mobile bringt einen schönen neuen Absatzkanal. Wobei: Wieso das, wo doch für den Rest des Jahres die Versorgung des existierenden Channels nicht gewährleistet ist. Das Launchen eines XP-EeePCs lässt sich allerdings schwer erklären. Offiziell gibt der Taiwanese bekannt, man wolle so den Zugang zu den Windows-Deppen öffnen. Inoffiziell ist man wohl einfach stolz, den Bären MS bei den Lizenzgebühren auf die Knie gezwungen zu haben. Und letztlich fällt man mit dem Deal dem eigenen Konzept in den Rücken.

Mittlerweile kenne ich viele EeePC-Käufer. Die sind zum einen Teil echte Nerds, die genau so ein Spielzeug haben wollten. Dann gibt es die Mobilen, die keinen Bock mehr auf 2,5 Kilo spiegelndes Notebook hatten. Und dann die vielen Computerkenner, die ihre Familie damit ausrüsten. Rekordhalter ist ein Familienvater, der sechs EeePC anschaffte: je einen für sich und seine Frau, die drei Kinder und einen für die Oma, die endlich auch surfen will. Niemand, ich betone: niemand von denen war an Windows interessiert. Niemand von denen hatte Angst vor Linux. Ob die zweite Käuferwelle auch so aussieht, weiß ich nicht. Ich glaube aber nicht, dass die Zahl der Windows-Verblödeten groß ist, die erst wegen XP zum EeePC greifen. Dafür macht der optisch zu wenig her. da ist ein 17-Zoll-ALDI-Schinken schon repräsentativer – oder ein Billichteil für 500 Ocken. Außerdem will der Windows-Idiot ja spielen, zocken, spielen – und das macht unter XP auf dem EeePC noch weniger Spaß als mit den typischen Linux-Games.

Am Ende wird es bei diesem scheinbaren Win-Win-Win-Deal zwischen Asus, Microsoft und T-Mobile zwei geben, die schön gepoppt haben, und einen, der gepoppt wurde. Rat mal, wer das ist…


[ von Rainersacht um 12:03 in ichregmichauf ] [ 0979 x gelesen ] [ dazugesachtes nicht möglich ] [  ]
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