Oh je, der Walser! Manchmal ist es furchtbar anstrengend, einen Roman des alten Sturkopfs vom Bodensee zu lesen. Zum Beispiel diesen. Die Story ist so kompliziert wie altersgeil (…ein Begriff, der im Text ironisch thematisiert wird). Ein Privatgelehrter verliebt sich in eine Doktorandin, die in den USA lebt. Die ist jünger als die Tochter des [...]
Literatüren – Gelesenes und Bewertetes…
Martin Walser: Der Augenblick der Liebe
Dieter Forte: In der Erinnerung
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat dieses Buch zu meiner zeitweisen Depression der letzten Wochen beigetragen. Es beendet die Geschichte der Fontanas und es spielt in den ersten Tagen nach dem Krieg in Düsseldorf. Das heißt: Meine Stadt ist zerstört, und in jedem Absatz beschreibt Forte, wie es aussah, wie es sich anfühlte. Da litt ich mit. [...]
Dieter Forte: Das Muster
Ja, ich schäme mich schon. Dass ich Dieter Forte erst jetzt entdeckt habe, den Düsseldorfer Erzähler, und seine Trilogie. Im “Muster” geht es um die Völkerwanderung, deren Fäden sich am Ende in der schönsten Stadt am Rhein, meiner Heimatstadt verknoten. Da ist der Fontana-Clan, der aus Lucca stammt und über die Jahrhunderte per Florenz, Lyon [...]
Sibylle Berg: Das Unerfreuliche zuerst
Ja, da fragt sich der geile Bock: Wie kann ein so rehhaftes Wesen derart schwarze Texte schreiben? Entweder, die Frau hat ein Problem, oder sie verstellt sich. Haken wir derlei Männerurteile einfach mal ab; denn wer – wie ich – Sibylle Berg schonmal live erlebt hat, wird erkannt haben, dass das Berg’sche Prinzip das des [...]
Michael Köhlmeier: Abendland
Dies ist eines der besten Bücher, das ich den vergangenen zehn Jahren gelesen habe. Ich kann nicht anders, als diesem Roman die Höchstnote zu geben. Eigentlich hat Köhlmeier mich mit seinem 750-Seiten-Werk (Ja, in diesem Fall wäre jeder andere Begriff als „Werk“ eine Untertreibung…) sogar geheilt; geheilt von der schmerzhaften Annahme, nur Amerikaner wären in [...]
Paula Fox: Der Gott der Alpträume
Wenn man beginnt, einen Roman von Paula Fox zu lesen, geschieht etwas Merkwürdiges: Man wird in eine äußerst fremde Welt hineingesogen, leistet anfangs aber Widerstand. Jedenfalls ging es mir bisher bei allen drei Fox-Büchern so, dass ich mich durch die ersten Seiten gequält habe, immer nur kurze Passagen aufnehmen konnte und das unbestimmte Gefühl hatte, [...]
Kirchhoff: Der Prinzipal
Noch ein merkwürdiges Buch oder Roman (Das ist eine der Sprachschlingen, die Kirchhoff darin dauernd schlingt: das Verknüpfen von zwei annähernd synonymen Wörtern mit “oder”). Als selbst auch Schreibender erkennt man ansatzweise, was den Autor bewegt hat; ein durchkomponiertes Kammerstück wollte er aufführen. Wenige Schauplätze, wenig Personal. Weniger als in diesem Roman oder Novelle geht [...]
Nadolny: Er oder ich
Nun sollen hier ja Bücher nicht verrissen werden. Was genau aber Sten Nadolny umgetrieben hat, diesen Roman zu schreiben, ist mir schleierhaft. Im Prinzip handelt es sich bei “Er oder ich” um einen Remix aus der “Netzkarte“, dem “Gott der Frechheit” und auch ein bisschen “Selim“. Wobei die beiden letzteren zu meinen Lieblingsromanen zählen. Nadolnys [...]

